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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Merkel trifft Obama Brücken der Diplomatie Dirk Hautkapp, Washington

Bielefeld (ots) - Druck und Anfeindungen von allen Seiten schweißen auch ungleiche Partner zusammen. Zwei, die sich nach der Affäre um das Abhören des Kanzlerinnen-Handys durch die NSA nachhaltig zu entzweien drohten, sind seit gestern ein Kriseninterventionsteam auf dem Hochseil. Barack Obama, Führer der freien Welt, hat auf Angela Merkel, Chefvermittlerin im Brandherd Ukraine, gehört. Amerika wird bis auf Weiteres kein Öl ins Feuer gießen - was die Lieferung von Kriegsgerät an die strukturell benachteiligte Armee der Ukraine unweigerlich bedeuten würde. Was wird, wenn Merkel nach dem Treffen morgen in Minsk nicht mehr als einen So-tun-als-ob-Waffenstillstand liefern kann, den Putin schon am Tag darauf hintertreibt, blieb im Weißen Haus offen. Brücken werden dann beschritten, wenn man davorsteht. Auch in der Diplomatie. Dass Obama so entschied, konnte man trotz des Lärms auf der Münchner Sicherheitskonferenz ableiten: aus der ausdauernden militärischen Zurückhaltung der USA in Syrien. Und dem, was der Präsident in Neuauflage seiner Richtschnur für die nationale Sicherheit mit "strategischer Geduld" umschreibt. Von Alternativlosigkeit schwadronierende Verfechter der Frieden-schaffen-mit-noch-mehr-Waffen-Fraktion sind ihm suspekt. Das heftige Flügelschlagen der republikanischen "Falken" in München war überbewertet. Die Herren Graham, McCain & Co. wollten mit ihren Attacken auf Merkel in erster Linie vor Wählern in Kansas und Kentucky Eindruck schinden und Obama treffen. Ohne es anzusprechen, sind sich Obama und Merkel über das unerwünschte Kleingedruckte einer militärischen Belieferung Kiews einig: Die Ukraine wünscht Panzerabwehrraketen, Aufklärungsdrohnen, gepanzerte Fahrzeuge und abhörsichere Kommunikationsgeräte. Poroschenkos marode Armee kann mit dieser Hightech gar nicht umgehen. Also müsste Washington Ausbilder in die Ukraine schicken. Soldaten. "Boots on the ground". Das würde im Kreml tatsächlich wie eine direkte Einmischung des Westens in den Konflikt gelesen. Ein Hochrisikospiel, das in Wahrheit selbst die Hardliner in Washington scheuen.

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