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WAZ: Nicht die Stimme des Volkes - Kommentar von Gerd Heidecke

Essen (ots) - Man könnte am Internet verzweifeln angesichts der schmutzigen, oft braunen Flut von Boshaftigkeiten, die zumeist anonyme, feige ihren Namen zurückhaltende User im Netz auskübeln. Keine Beleidigung scheint gemein genug zu sein, keine Hetze zu bösartig, um nicht irgendwo noch gepostet zu werden.

Da ist der "Trottel" für einen Feuerwehrmann in Ennepetal - der dortige Bürgermeister wehrt sich zu Recht gegen den Begriff -, ein scheinbar harmloser Fall von Online-Verunglimpfung. Ist er aber eben nicht. Was mit dem Trottel beginnt, endet mit dem Gewaltaufruf zum Sturm aufs Flüchtlingsheim.

Tatsächlich tobt sich hier eine kleine Minderheit frustrierter Feiglinge aus. Experten schätzen die Zahl der Kommentierer im Netz auf ein Prozent, und von denen schreibt auch nur ein Bruchteil mit Schaum vorm Mund. Mit der "Stimme des Volkes" oder der "schweigenden Mehrheit" haben die Äußerungen nichts zu tun.

Den Verfassern von weltweit verbreiteten Hasstiraden darf man nicht das Feld überlassen. Jeder hat nicht nur ein Recht auf die eigenen Daten und informelle Selbstbestimmtheit im Netz, sondern auch auf Online-Unversehrtheit, auf Schutz der Persönlichkeit, und das als Individuum wie als Gruppe. Das gilt es durchzusetzen.

Dafür braucht man keine neuen Überwachungsmechanismen. Die beste Kontrolle ist die Selbstkontrolle des Netzes, aber dafür müssten die 90 Prozent der passiven Nutzer öfter mal den "Gefällt-mir-nicht"-Button drücken.

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