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WAZ: Wahl als Chance für die Politik - Kommentar von Gregor Boldt

Essen (ots) - Trotz des Debakels, das die Hängepartie um den neuen Bundespräsidenten Christian Wulff zweifelsohne für die Regierung Merkel ist, kann die Wahl insgesamt eine Chance für die Politik bedeuten. Denn sie hat gezeigt, dass das Volk noch lange nicht dessen überdrüssig ist, was in Berlin geschieht. Wohl noch nie haben sich hunderte Menschen vor dem Reichstag oder zu Dutzenden in Kneipen zusammengefunden, um gemeinsam zu verfolgen, wer ihr Staatsoberhaupt wird. In den Top-10 der TV-Quoten befanden sich sechs Sendungen, die sich mit der Wahl beschäftigten. Allein sechs Millionen Zuschauer sahen den ARD-Brennpunkt "Denkzettel für Merkel". Tagesbestwert. Sogar der Spartensender Phoenix, der das neunstündige Drama in drei Akten komplett übertrug, hielt kontinuierlich doppelt so viele Menschen vor dem Fernseher als sonst. Sicherlich, man könnte den Erfolg des Polit-Public-Viewing auf das schöne Wetter und die Spielpause bei der Fußball-WM zurückführen. Oder aber darauf, dass mit Joachim Gauck auch ein Mann zur Wahl stand, der das Volk erreicht hat, weil er nicht nur vorgab, "nah bei den Menschen" zu sein. Jetzt ist es an den Protagonisten, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, damit Politik weiterhin so betrachtet wird, wie sie sein kann: erlebbar und spannend.

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