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WAZ: Präsidentenwahl als Zitterpartie. Kommentar von Walter Bau

Essen (ots) - Angela Merkel dürfte sich am Wochenende ungläubig die Augen gerieben haben. Nicht ihr Kandidat fürs Schloss Bellevue, der smarte Christian Wulff, sondern dessen Widerpart Joachim Gauck zierte landauf landab die Titelseiten, beherrschte die Schlagzeilen. Damit nicht genug: Es meldeten sich reihenweise Stimmen aus Merkels schwarz-gelbem Lager, die sich für einen Präsidenten Gauck stark machten. Sollte die Kanzlerin aufs falsche Pferd gesetzt haben?

Nun, angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung müsste schon einiges ins Rutschen kommen, um Wulff noch auszubremsen. Aber es gibt auch Siege, die gefühlte Niederlagen sind. Deshalb schrillen in den Parteizentralen von Union und Liberalen offenbar schon die Alarmglocken, Wie es heißt, will man diesmal keine Künstler oder Prominente als Wahlleute, als Delegierte entsenden, sondern ausschließlich auf Polit-Profis setzen - damit keiner "falsch" abstimmt.

Offenbar liegen in der Koalition, die ja mit sich selbst immer noch reichlich zu tun hat, die Nerven blank. Die Köhler-Nachfolge, die zu einem Befreiungsschlag für die Kanzlerin hätte werden können, gerät nun zur Zitterpartie. Joachim Gauck sagte am Wochenende, er hätte sich auch vorstellen können, für CDU und FDP ins Rennen zu gehen. In Merkels Ohren muss das wie Hohn geklungen haben.

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