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WAZ: Nun gehen Sie halt wählen! - Entscheidend ist auf dem Marktplatz. Leitartikel von Ulrich Reitz

    Essen (ots) - Neulich wirkte der parteilose Dortmunder Oberbürgermeister-Kandidat Pohlmann, der für Union und FDP antritt, fast ein wenig verzweifelt. In solchen Städten wie Dortmund, diesen SPD-Hochburgen seit jeher, da könne man eben auch einen roten Besenstiel aufstellen . . . Das ist so melancholisch wie falsch.

      Denn weder ist Herr Sierau von der Dortmunder SPD ein Besenstiel
noch ist es der Oberhausener OB Klaus Wehling, der mit seiner
Wiederwahl ebenso rechnen kann wie Adolf Sauerland, der in der
Malocher-Metropole Duisburg antritt. Nur eben für die CDU. Will
sagen: Es sind weniger die Strukturfaktoren, die zählen. Es sind die
Menschen.

      In Duisburg ist Sauerland Favorit, weil er einen vollen ruhigen
Saal zum Schunkeln bringen kann. In Essen hingegen ist der
CDU-Kandidat Britz nicht Favorit, weil er einen vollen schunkelnden
Saal zur Ruhe betten kann, feixen Parteifreunde jedenfalls. Britz'
SPD-Herausforderer Paß gilt auch nicht eben als Stimmungskanone, aber
Solidität ist ja per se nichts Schlechtes. Für Stimmung sorgt der
FDP-Mann, ein lebenslustiger Theater-Prinzipal, vor allem bei der
CDU, die er wohl so zirka acht Prozent der Stimmen kostet. Schwierig
wird es für die Wähler, weil alle wesentlichen Entscheidungen im
Essener Rat ohnehin mit 90 Prozent fielen. Auch solche Sachen drücken
Beteiligungs-Quoten.

      Von zu viel Konsens kann in Mülheim nicht die Rede sein. Dort
schaffen es Amtsinhaberin und Herausforderer inzwischen, einander
grußlos zu begegnen. In Köln hatte die CDU die famose Idee, einen
Anti-Klüngel-Wahlkampf zu führen, nachdem ihr der oberklüngelige,
dafür aber beliebte Fritz Schramma archivbedingt abhanden kam. Köln
klüngelfrei wirkt so wie der Versuch, einem Krokodil die Vorzüge
eines Grünkernbratlings zu erläutern. Auf diese Weise könnte die
größte nordrhein-westfälische Stadt sozialdemokratisch werden. Jürgen
Rüttgers wird daraufhin schon Sonntagabend seine Parteifreunde
auffordern, jetzt aber besonders zu kämpfen bei der Landtagswahl, was
die dann selbstverständlich auch machen.

      Auf die Bewerber kommt es also an - und alles wird am Ende wohl
bunter. In Witten formieren sich nun sogar Ärzte zur Partei, was die
Liberalen schmerzen wird. Zum Schluss eine schöne Schlagzeile für
Montag: "Vom Wählen allein gehen die Schulden nicht weg." Mal sehen,
ob sie auch erscheint. Und wo.

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