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Lausitzer Rundschau: Zu früh für eine Bilanz Zum Abzug der letzten US-Kampftruppen aus dem Irak

Cottbus (ots) - Wie würde der Nahe Osten wohl heute aussehen, hätten amerikanische Kampftruppen nicht 2003 die Grenze zwischen Kuwait und dem Irak überschritten, die sie am gestrigen Donnerstag in umgekehrter Richtung passierten? Und was hat dieser Krieg wohl am Ende bewirkt, der Saddam Hussein stürzte, aber auch Zehntausende Menschenleben kostete? Selbst wenn man den Abzug der US-Soldaten schon seit Langem für überfällig hielt, wird man beide Fragen jetzt wohl noch nicht beantworten können. Für die abschließende Bewertung dessen, was Bundeskanzler Gerhard Schröder einmal ein "Abenteuer" des Präsidenten George W. Bush nannte, ist es einfach zu früh. Unter diesem Blickwinkel sind die USA allerdings dann sowieso gescheitert. Denn es gab das Versprechen, ein freies Land zurückzulassen. Aber der Irak ist weit, weit davon entfernt, mit einigermaßen stabilen Strukturen seinen Bürgern die Rechte zu garantieren, die ein demokratisches Gemeinwesen auszeichnen. Das Land ist nicht annähernd vergleichbar beispielsweise mit der Bundesrepublik im Jahr 1949. Es kann heute allerdings auch keiner behaupten, dass das Zweistromland immer noch gleichzusetzen wäre mit seinen diktatorisch regierten Nachbarn wie Iran oder Syrien. Von den Ländern der Region gibt es tatsächlich den Menschen noch am ehesten die Möglichkeit, selbst über ihre Angelegenheiten zu verfügen. Der Irak ist zumindest weniger unfrei geworden. Deswegen auch hat er eine kleine Chance, seinen eigenen Weg zu finden zwischen den derzeit vor allem mit der inneren Opposition beschäftigten Mullahs und der wirtschaftlich darbenden Gewaltherrschaft in Damaskus. Ob diese Chance genutzt wird, weiß heute aber keiner. Sowohl Abzug wie damals Angriff haben ganz andere Beweggründe, als die im Weißen Haus von den jeweiligen Präsidenten und je nach innenpolitischer Weltsicht verkündeten.

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