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Weser-Kurier: Kommentar von Joerg Helge Wagner zu Deutschlands Kampf gegen den IS

Bremen (ots) - Zumindest auf eigenem Boden sind die Deutschen ja offenbar in der Lage, islamistische Terroristen effektiv zu bekämpfen: Gerade hat eine Spezialeinheit der Berliner Polizei einen türkischen Dschihadisten nach dessen Rückkehr aus Syrien verhaftet. Aber mehr als 100 dieser Leute sollen inzwischen zurückgekehrt sein - jeder einzelne extrem gewaltbereit und erfahren im Umgang mit Waffen. IS-Sprecher Mohammed Al-Adnani ruft seine Getreuen auf, Bürger aller Staaten zu töten, die sich der Koalition gegen seine Truppe angeschlossen haben. Deutsche - Soldaten wie Zivilisten - rechnet er gewiss dazu, da sollte man sich hier keine Illusionen machen. Deutschland befindet sich längst in diesem perfiden, unerklärten Krieg - es mag es nur noch nicht so recht wahrhaben. Da denkt eine Bund-Länder-Gruppe nun darüber nach, deutschen Dschihadisten die Staatsbürgerschaft zu entziehen und sie gar nicht wieder ins Land zu lassen. Natürlich muss man sich mit den reisenden Terroristen befassen, aber entschieden wird der Krieg dort, wo er tobt, wo der IS-Terror unsägliches Leid verursacht und in der Folge eine monströse Fluchtwelle. Über die immerhin will man in Berlin reden: Außenminister Steinmeier lädt zur Konferenz, um am Ende Jordanien, den Libanon und die Türkei mit ein paar Millionen Euro an Hilfsgeldern zu bedenken. Mit Verlaub: Das ist für das potenteste Land der EU ebenso beschämend wie die Lieferung von ein paar tausend ausgemusterten G3-Gewehren und ein paar hundert Panzerabwehrraketen an die kurdischen Peschmerga. O ja: Und nach nur drei Wochen Vorbereitungs- und Bedenkzeit sind auch noch sieben Fallschirmjäger mitgeflogen, um die Kurden einzuweisen. Derweil überrennt die IS Dutzende Dörfer unmittelbar an der Grenze zum NATO-Partner Türkei, ihre Kämpfer posieren auf Lkw mit erbeuteten Kurzstreckenraketen. Die werden immerhin gelegentlich von Amerikanern und Franzosen bombardiert - unser Außenminister nennt dies "arbeitsteiliges Vorgehen". Die Verteidigungsministerin findet ohnehin, dass vom afrikanischen Ebola-Virus die weit größere Bedrohung ausgeht. Wie praktisch: Der Entsendung von Bundeswehr-Ärzten könnte ja sogar die Linke zustimmen. Die richtigen Schwerpunkte müsste die Kanzlerin mit ihrer Richtlinienkompetenz setzen. Vor einer Woche war sie ja mal mutig und sprach von immerhin 40 Fallschirmjägern, die man im Irak einsetzen könne - das hat ihr Außenminister dann schnell wieder einkassiert. Warum auch eine unangenehme Debatte über Kampfeinsätze führen, solange Polizei und Geheimdienste hier ihren Job machen? Hinten-Verteidigung ist wohl das richtige Wort dafür.

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