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Weser-Kurier: Kommentar von Mareike Meyer über das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu Pflicht-Sprachtests in Deutschland

Bremen (ots) - Einen Sprachtest zur Bedingung für ein Leben in Deutschland zu machen ist offenbar ein großes Unrecht. Wie sonst ist es zu erklären, dass nun sogar der Europäische Gerichtshof über die Rechtmäßigkeit dieser Regelung entscheiden musste? Anstatt einen solchen Sprachkursus zu belegen, klagt man sich lieber in Deutschland ein. Aber erreicht der Europäische Gerichtshof mit diesem Urteil auch, was er erreichen will? Nämlich, einen Weg für Türken nach Deutschland zu schaffen? Mitnichten. Wer seinem Gatten ohne Sprachkenntnisse in ein fremdes Land folgt, begibt sich in eine absolute Abhängigkeit vom sprachkundigen Partner. Die einfachsten Dinge wie der wöchentliche Einkauf werden zur Herausforderung, wenn man nicht gerade einen türkischen Supermarkt im Viertel hat. Und den Kindern bei ihren Deutsch-Hausaufgaben zu helfen, ist ausgeschlossen. Wie sinnvoll ist es also, in ein Land zu kommen, dessen Sprache man nicht spricht? Anstrengend und beängstigend wirkt die Vorstellung, mit niemandem reden zu können, außer mit der eigenen Familie und bekannten Landsleuten. Sprache dient der Kommunikation, sprachlos zu sein bedeutet Ausgrenzung. Deshalb ist das Urteil weniger eine Chance als vielmehr eine Hürde für jene Türken, die nach Deutschland kommen wollen.

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