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Börsen-Zeitung: Here entlang! Kommentar zu Nokia Here von Heidi Rohde

Frankfurt (ots) - Es scheint, den deutschen Autobauern ist ein Coup gelungen. Das Konsortium aus Daimler, BMW und Audi bekommt offenbar den Zuschlag für Nokia Here, die Kartentochter des finnischen Telekomausrüsters, für 2,5 Mrd. Euro - ein Preis, der nur geringfügig über dem Buchwert, aber weit unter den Schätzungen von Analysten und auch den Hoffnungen von Nokia liegt.

Die Finnen, die ihre 15 Mrd. Euro teure Übernahme des Konkurrenten Alcatel-Lucent finanzieren müssen, wollten ursprünglich mindestens 4 Mrd. Euro für die kleine Sparte mit einem Jahresumsatz von rund 1 Mrd. Euro erlösen. Die Chancen schienen nicht schlecht, denn Here ist mit einem geschätzten Marktanteil von gut 60% Weltmarktführer für hochexakte digitale Karten in automobilen Navigationssystemen. In Europa und Nordamerika ist das Unternehmen sogar zu 80% in der Autonavigation an Bord. Für die deutschen Premiumhersteller war daher die Aussicht, dass Here in die Hände eines neuen Eigentümers fällt, mit schwerwiegenden Unwägbarkeiten verbunden - zumal das Risiko im Raum stand, dass einer der großen US-Internetgiganten das Unternehmen schlucken würde.

Die erschreckende Aussicht, dass etwa das datenhungrige soziale Netzwerk Facebook die Kontrolle über Here übernehmen könnte und die Autohersteller infolgedessen bei einem der wichtigsten Assets für das Zukunftsthema "autonomes Fahren" in Abhängigkeit geraten oder sogar an Kernkompetenz für das Automobil 2.0 verlieren könnten, hat die Wettbewerber zum Schulterschluss bewegt.

Ein preistreibendes Bietergefecht blieb ihnen indes erspart, denn die anfangs zahlreichen konkurrierenden Kaufinteressenten zogen sich nach und nach zurück. Facebook begnügte sich mit einer Here-Kooperation. Weder Uber noch Apax haben Flagge gezeigt. Apple stützt sich für seine Navigationsdienste auf den Here-Konkurrenten TomTom, der just auch eine Kooperation mit Bosch unter Dach und Fach gebracht hat. So mag auch die Aufholjagd des einzigen globalen Wettbewerbers, dessen Produktqualität offenbar zu der von Here aufschließt, den Kaufpreis gedrückt haben.

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass ein anderer Schachzug den Autobauern zum Vorteil gereichte. Sie haben dem Vernehmen nach die chinesische Baidu als Partner an Bord genommen, die einer der größten Anbieter von Navigationsdiensten in China ist. Das Reich der Mitte ist geradezu ein weißer Fleck auf den Karten sowohl von Here als auch von TomTom - ein Mangel, der geeignet war, andere Käufer abzuschrecken.

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