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Börsen-Zeitung: Nein, Kommentar zu Griechenland von Detlef Fechtner

Frankfurt (ots) - Ein Wort hat gute Aussichten, in diesem Jahr Europas Wort des Jahres zu werden: nein. Denn wenn derzeit von Europa die Rede ist, geht es nur selten um Integration und Vertiefung - und viel häufiger um Ablehnung und Widerstände oder gar Ausstieg. Also um nein!

Das gilt natürlich im Besonderen für das Referendum. Man kann wohl annehmen, dass Griechenlands Bürger nicht jedes Detail der Reform- und Sparanforderungen studiert haben, die eigentlich zur Abstimmung standen. Sondern dass sie generell ihren Unmut über dieses Europa zum Ausdruck gebracht haben: So nicht, Europa! Nein!

Leider haben sie sich und die Euro-Partner damit in eine Sackgasse manövriert, aus der nur schwer ein Ausweg zu finden ist - selbst beim besten Willen der Beteiligten. Das gilt erstens mit Blick auf die nun noch offensivere Forderung nach einem Schuldenschnitt. Sollten die Euro-Partner darauf eingehen, wird es für sie rechtlich und politisch noch schwieriger, gleichzeitig dringend nötige neue Finanzhilfen lockerzumachen. Denn es gibt Parlamente, die zustimmen müssen, und es gibt Finanzierungsvorgaben, die man ziemlich biegen muss, um zeitgleich Schulden zu erlassen sowie Neukredite zu gewähren. Das gilt zweitens für Reformanforderungen und Sparvorgaben. Eigentlich müssten die Gläubiger radikalere Anpassungen verlangen, denn die griechische Wirtschaft ist in Zeiten geschlossener Banken komplett aus dem Tritt geraten. Doch nun können sie nicht einmal auf das pochen, was bereits auf dem Tisch lag - denn das griechische Volk hat es ja explizit abgelehnt. Nein!

Wird es einen schnellen Abschluss geben, wie es Athen versprochen hat? Nein. Dazu klafft eine zu große Lücke zwischen den Positionen. Wird es also monatelange Verhandlungen geben? Nein. Denn so lange können die Banken gar nicht über Wasser gehalten werden. Auch rückt der nächste große Zahlungstermin des Staats näher. Werden die Euro-Partner deshalb die griechische Delegation gleich abweisen und nach Hause schicken? Nein. Denn (noch) ist das Land EU-Mitglied und Euro-Partner - und hat zu Recht Anspruch darauf, dass jeder Hilfsantrag ernsthaft geprüft wird.

Na ja, wird sich mancher denken, wenn die Euro-Partner nicht einmal jetzt die Reißleine ziehen, sondern sich wieder auf Verhandlungen einlassen, wird gewiss am Ende doch wieder irgendwie ein Kompromiss - und wenn es auch ein fauler ist - herauskommen. Es ist doch in Europa noch immer gutgegangen - darauf kann man doch irgendwie vertrauen, oder? Nein!

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