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Börsen-Zeitung: Kunstflug im Sturmtief, Kommentar zur Schweizerischen Nationalbank von Daniel Zulauf

Frankfurt (ots) - Thomas Jordan und seine Mitstreiter sind wahrlich nicht zu beneiden. Als ob die Verteidigung des Franken angesichts der noch nicht ganz beendeten Finanzkrise in der Eurozone nicht schon genug der Probleme böte, kämpfen die Schweizer Währungshüter mit immer neuen, zum Teil sogar hausgemachten Schwierigkeiten.

Der Abstimmungskampf um die Gold-Initiative war der Glaubwürdigkeit ihrer Politik abträglich, wie die bis zum Abstimmungstag Ende November deutlich zu erkennende Aufwertungsbewegung des Franken zum Euro deutlich zeigt. Die Hoffnung, dass die Märkte nach dem von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) klar gewonnenen Abstimmungskampf das Interesse am Franken allmählich wieder verlieren würden, hat sich mit der Verschärfung der Russland-Krise zerschlagen.

Negativzinsen sind ein Instrument, das Notenbanken gewöhnlich im Giftschrank aufbewahren und nur im äußersten Notfall hervorholen. Bei der SNB war das zum letzten Mal vor fast 40 Jahren der Fall. Kein Wunder: Es herrscht nun überall helle Aufregung. Ist die Maßnahme nicht Beleg dafür, dass die SNB nicht mehr weiterweiß? Hat sie ihr Pulver verschossen und muss sich früher oder später doch dem Druck der Märkte fügen und die unter Inkaufnahme immenser Kosten bislang verhinderte Aufwertung des Franken schließlich doch noch zulassen?

Derlei Befürchtungen sind beileibe nicht unberechtigt, und die Folgen ihres Eintretens wären fatal. Was für eine Zukunft hätten Sektoren wie Exportindustrie und Tourismus, in denen immer noch die Mehrheit der Bevölkerung ihr Auskommen hat, wenn eine Aufwertung die Kosten um 20% anschwellen ließe?

Trotz dieser mehr als ungemütlichen Aussichten scheinen SNB-Chef Jordan und seine Leute kühlen Kopf zu bewahren. Das zeigt die differenzierte Anwendung des Instrumentes der Negativzinsen. Die Maßnahme zielt darauf ab, die direkten Ursachen der gegenwärtigen Franken-Nachfrage zu bekämpfen, und versucht mit bemerkenswerter Präzision, Kollateralschäden zu vermeiden. Das Bild einer Notenbank, die im Sturmtief den Kunstflug versucht, ist deshalb sicher nicht verwegen.

Bleibt die Frage, ob am Ende die sichere Landung gelingt. Selbstredend weiß das die SNB genauso wenig wie ihre Beobachter, von denen erstaunlich viele durchaus optimistisch zu sein scheinen. Ein kleiner Erfolg ist für die SNB schon der Umstand, dass ihre Bemühungen an den Märkten offensichtlich ernst genommen werden.

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