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Börsen-Zeitung: Augen zu und durch, Kommentar zur Veröffentlichung der Banken-Stresstests von Norbert Hellmann

Frankfurt (ots) - Vergessen wir den 7. Juli, an dem Spanien das Vertrauen in die Stärke des deutschen Fußballs so schwer erschüttert hat. Freuen wir uns lieber auf den 23. Juli, an dem mit spanischer Hilfe das Vertrauen in die Stärke des europäischen Bankensektors hergestellt werden soll. Mit der Veröffentlichung der Stresstests von über 90 Kreditinstituten zu diesem Datum soll der zuletzt vor allem am spanischen Bankensektor aufgehängten Marktnervosität mit einem europaweiten Rundumschlag begegnet werden.

Mit den Stresstests zeigt sich die Tücke einer politisch verordneten Marktberuhigungsoffensive. Der jüngste EU-Gipfel wollte eigentlich nur die Veröffentlichung in aller Ruhe durchgeführter Tests bei 25 Großbanken erwirken, um sie später auf einen größeren Kreis auszudehnen. Die Sache nahm rasch Eigendynamik an - mehr Banken testen hieße doch mehr Vertrauen stiften, auch wenn die Zeit knapp ist. Von der einmal geweckten Erwartungshaltung kommt man nicht mehr herunter; jetzt heißt es Augen zu und durch.

So "freut" sich auch der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, auf die gute Gelegenheit, zur Vertrauensbildung an den Finanzmärkten beizutragen. Hinter Trichets Optimismus dürfte nicht zuletzt die Gewissheit stehen, dass es gelungen ist, unter argem Zeitdruck die Kriterien der vom Committee of European Banking Supervisors (CEBS) modellierten Stresstests so anzupassen, dass praktisch alle Partizipanten heil durchkommen werden.

Ein echter "Härtetest" mit konjunkturellem Schreckensszenario und einem dramatischen Zinsschock, der alle Anleihen in den Keller schickt, führt zu dem Ergebnis, dass das Gros der Banken zu wenig Kapital hat und an den Tropf staatlicher Rettungsfonds gehört. Damit ist niemandem geholfen. Sanftere Stressszenarien, wie sie jetzt zum Einsatz kommen, werden den Verdacht aufkeimen lassen, dass fleißig frisiert wurde und die geforderte Transparenz vielleicht doch auf der Strecke bleibt. Ist das nun gut oder schlecht? Man sollte sich an dieser Stelle von jeglichen Illusionen befreien, dass es eine echte Transparenz gibt, die sich ausgerechnet mit Stresstests herstellen ließe. Deren Annahmen sind zwangsläufig Willkür und bedürfen der umsichtigen Hand eines verantwortungsvollen Chef-Stylisten, nämlich der mit der Wahrung der Systemstabilität betrauten EZB.

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