Alle Storys
Folgen
Keine Story von Deutsche Umwelthilfe e.V. mehr verpassen.

Deutsche Umwelthilfe e.V.

Rußfilterskandal: Nach Ankündigung einer Untätigkeitsklage gegen die Bundesregierung gibt diese höhere Betrugsfilter-Zahlen bekannt

Ein Dokument

Berlin (ots)

Kurios: Seit dem Start der "Kulanzlösung", die den Ausbau und 
Austausch von Betrugsfiltern beschleunigen sollte, steigt die Zahl 
der verbauten Mängelfiltersysteme in der amtlichen Statistik auf 
nunmehr 45.237 - Filtertausch findet praktisch nicht mehr statt - 
PitStop und A.T.U. verweigern weiterhin rechtswidrig den Austausch - 
DUH-Geschäftsführer Resch fordert amtlichen Widerruf der Zulassungen 
der Betrugsfilter und Veröffentlichung der vorliegenden 
KBA-Nachprüfergebnisse für die derzeit lieferbaren Systeme
23. April 2008: Es bedurfte erneut der Ankündigung einer 
Untätigkeitsklage der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH) - siehe 
Pressemitteilung vom 8. April 2008 unter www.duh.de - ehe die 
Bundesregierung sich zur Veröffentlichung neuer unangenehmer 
Wahrheiten in der Betrugsfilteraffäre entschloss. Das 
Bundesverkehrsministerium erklärte im laufenden Rechtsverfahren nach 
mehrmonatiger Verweigerung, dass nun der DUH die von ihr seit Januar 
2008 auf Grundlage des Umweltinformationsgesetzes (UIG) erbeteten 
"Zulassungszahlen von Diesel-Pkw mit nachgerüsteten 
Partikelminderungssystemen ... in vollem Umfang" zugänglich gemacht 
werden. Nach den zwischenzeitlich bei der DUH eingegangenen Daten 
liegt die Anzahl der zum 20. März 2008 verbauten Betrugssysteme mit 
45.237 um 20 Prozent höher als bisher zugegeben. Über 90 Prozent 
dieser Betrugsfilter entfallen auf GAT (35.050 PMS) bzw. (baugleich) 
Tenneco (6.516 PMS). Auf Bosal entfallen 3.671 PMS.
Bisher hatten Verkehrsministerium, Kraftfahrtbundesamt (KBA) und 
Bundesumweltministerium - zuletzt Minister Gabriel am 8. März 2008 im
Bundestag - stets 170.000 insgesamt nachgerüstete Dieselfilter und 
knapp 40.000 unwirksame Systeme eingestanden. Die DUH hatte diese 
Zahlen von Anfang an als zu niedrig bewertet. Doch erst nachdem die 
Umweltorganisation über eine Länderumfrage eine Gesamtzahl von mehr 
als 270.000 (Stand: 31. Dezember 2007) eingebauten Filtern ermittelt 
und eine Untätigkeitsklage gegen die Bundesregierung wegen der 
Verheimlichung der korrekten Zahlen über die eingebauten 
Betrugsfilter angekündigt hatte, gab das Verkehrsministerium von 
Minister Wolfgang Tiefensee (SPD) nun nach und bestätigt über ein 
Schreiben des Kraftfahrtbundesamtes vom 16.April die Zahl von 285.707
insgesamt nachgerüstete Partikelfilter (Stand: 20. März 2008), 
darunter über 45.237 Betrugsfilter.
"Bereits zum zweiten Mal musste die DUH zum Instrument der 
Untätigkeitklage gegen die Bundesregierung greifen, um korrekte 
Angaben zum Ausmaß des Betrugsfilterskandals zu erhalten. 
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel muss dieses katastrophale 
Ergebnis seines Krisenmanagements beim Betrugsfilterskandal endlich 
zur Kenntnis nehmen und handeln", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer 
Jürgen Resch. "Nur durch den amtlichen Widerruf der Zulassungen wird 
der Filteraustausch in Gang kommen. Das Instrument der "freiwilligen 
Selbstverpflichtung" ist einmal mehr gescheitert " Immerhin sei in 
diesem Fall nicht auch noch die Durchführung des langwierigen 
Klageverfahrens notwendig geworden, um die Einsicht zu befördern. 
"Die Ankündigung einer Untätigkeitsklage gegen die Bundesregierung 
hat diesmal ausgereicht." Resch verweist darauf, dass mit den neuen 
Zahlen das Scheitern der so genannten "Kulanzregelung" endgültig 
dokumentiert sei. Mit der von der Bundesregierung Ende November 2007 
ausgehandelten Vereinbarung, die Bundesumweltminister Gabriel 
persönlich präsentiert hatte, sollte der Filteraustausch eigentlich 
innerhalb weniger Wochen vollzogen sein.
Resch: "Wir stehen nun vor der kuriosen Situation, dass die 
amtliche Zahl der vom Betrugsfilterskandal Betroffenen acht Monate 
nach Aufdeckung des Skandals durch die DUH weiter zunimmt statt zu 
schrumpfen."  Die Tatsache, dass der Filtertausch inzwischen 
praktisch zum Erliegen gekommen ist - nach einer Umfrage des 
Zentralverbands des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) wurden im 
März bundesweit ganze 118 Betrugsfilter getauscht - zeige, dass die 
"Kulanzregelung" vor allem den verantwortlichen 
Betrugsfilterherstellern und den großen Werkstattketten A.T.U. und 
PitStop nützt. Sie sparen durch den Verbleib ihrer mangelhaften 
Produkte in den Autos einen zweistelligen Millionenbetrag.
Inzwischen scheint sich auch die Frage zu klären, warum große 
Werkstattketten wie A.T.U., die für einen Großteil der verbauten 
schadhaften Filter verantwortlich sind, den Sofortaustausch von 
Betrugs- gegen funktionstüchtige Filter anderer Hersteller im 
Gegensatz zu vielen freien Werkstätten seit Monaten konsequent 
verzögern (s. im Anhang dieser Pressemitteilung beispielhaft 
dokumentierte Einzelfälle, die bei der DUH in großer Zahl eingehen).
Nach DUH-Informationen aus dem Kreis der betroffenen Autohalter 
gibt es offenbar vertragliche Absprachen zwischen dem 
hauptverantwortlichen Betrugsfilterhersteller GAT und der 
Werkstattkette A.T.U., die offensichtlich von allen Ketten die 
meisten Betrugssysteme verbaut hat und die für den Quasi-Boykott des 
Filtertauschs verantwortlich sein soll: Nach dieser Vereinbarung 
erhält A.T.U. keine Rückerstattung für einen Sofortaustausch 
unwirksamer Filter durch wirksame Systeme alternativer Hersteller von
GAT, wenn der Austausch vor September 2008 stattfindet.
"Wie lange stecken Umweltminister Gabriel und Verkehrsminister 
Tiefensee ihren Kopf noch in den Dieselruß und beharren weiter auf 
ihre grandios gescheiterte Politik der freiwilligen 
Selbstverpflichtungen? Die Leidtragenden sind in jedem Fall 
umweltengagierte Autohalter, die ihre Filter austauschen wollen, 
obwohl der Steuerbonus für den unwirksamen Filter entsprechend der 
´Kulanzregelung´ weiter gewährt wird, und die Anwohner stark 
befahrener Verkehrsadern, die weiter unnötig viel gefährlichen 
Feinstaub einatmen müssen", erklärte Resch.
Angesichts der Misere, die den Filterskandal auf Jahre zu 
verlängern drohe, appellierte Resch an die verantwortlichen Minister 
Tiefensee und Gabriel, die verfehlte "Kulanzregelung" endlich zu 
beenden: "Wir fordern Sie eindringlich auf, jetzt den Versuch 
einzustellen, die Öffentlichkeit wider besseren Wissens mit falschen 
Zahlen zu beruhigen: Machen Sie endlich reinen Tisch und widerrufen 
Sie die amtlichen Betriebserlaubnisse für die insgesamt mind. 60.000 
verbauten Betrugsfilter. Nur so kommt Ruhe in die 
Partikelfilternachrüstung."
Seit Monaten wartet die DUH zudem auf die Veröffentlichung der 
bereits für November 2007 angekündigten Nachprüfungen aller auf dem 
Markt befindlichen Partikelfiltersysteme durch das KBA. "Für den 
Erfolg der Feinstaubbekämpfung in unseren Innenstädten ist es 
wichtig, dass die Verunsicherung der Autofahrer, welcher Filter 
funktioniert und welcher nicht, endlich ein Ende hat", so Resch. 
Erfreulicherweise habe der ADAC Ende März Testergebnisse 
veröffentlicht, wonach die derzeit angebotenen Systeme von HJS, 
TwinTec, Remus und Volkswagen im Durchschnitt die Rußemissionen um 
rund 45 Prozent reduzieren. Es sei absolut unverständlich, warum die 
amtlichen Nachprüfergebnisse des Kraftfahrtbundesamtes immer noch 
nicht veröffentlicht werden. "Wir fordern die Bundesregierung auf, 
auch diese Untersuchungsergebnisse auf den Tisch zu legen und in 
einer gemeinsamen Anstrengung mit den vom Feinstaub betroffenen 
Städten, den Ländern und den Auto- und seriösen Filterherstellern für
eine breit angelegte Nachrüstung mit funktionierenden Partikelfiltern
zu werben", forderte Resch.

Pressekontakt:

Für Rückfragen:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer, Hackescher Markt 4, 10178
Berlin;
Mobil: 0171 3649170, Fax: 030 2400867-19, E-Mail: resch@duh.de

Dr. Gerd Rosenkranz, Leiter Politik, Hackescher Markt 4, 10178
Berlin; Tel.: 030 / 2400867-0, Mobil: 0171 5660577, Fax: 030
2400867-19, E-Mail: rosenkranz@duh.de

Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V., übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: Deutsche Umwelthilfe e.V.
Weitere Storys: Deutsche Umwelthilfe e.V.