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Schwäbische Zeitung: Leitartikel zum Anschlag in NIzza: Erspart uns die Erklärungen!

Ravensburg (ots) - Der Attentäter von Nizza hat Frankreich am Nationalfeiertag getroffen, nach einem Freudenfest auf einer der Prachtstraßen der Stadt an der Côte d'Azur. Die Perfidie, die kranke Grausamkeit, mit der dieser Anschlag begangen wurde, löst Übelkeit und Wut aus. Und die Bereitschaft einer aufgeklärten Gesellschaft, sich kluge Erklärungen anzuhören, nimmt ab, je häufiger solche Terrorattacken geschehen - in Paris, in Brüssel und jetzt in Nizza.

Es gibt gegen solche Täter kaum wirksamen Schutz: Ein sozialer Verlierer, Vater dreier Kinder mit schlechter Arbeit, rutscht in die Kleinkriminalität ab, um dann Terrorist zu werden und möglichst viele Menschen mit in den Tod zu reißen.

Soziologen mögen von den Fehlern der Integration sprechen, von mangelnden Chancen, die Kinder nordafrikanischer Einwanderer haben - alles gut und richtig, aber alles völlig unerheblich. Denn solche Versuche erklären nichts, sie rechtfertigen nicht die völlige Abwesenheit von Moral, von Gefühl gegenüber anderen, von Bewusstsein über die eigene Rolle in der Gesellschaft. Ganz abgesehen davon erklären sie nicht die Geschichten erfolgreicher Integration von Menschen, die rechtschaffen ihrem täglichen Leben nachgehen und sich in die französische oder andere europäische Gesellschaften einbringen.

Die windelweichen Erklärungsversuche für derart aus der Bahn geratene Biografien, stigmatisieren obendrein all die Muslime, die Nordafrikaner und viele andere Minderheiten, die in Europa ein ganz normales Leben leben. Darum auch gehen die hetzerischen Erklärungsversuche der AfD-Frontfrau Frauke Petry oder von Marine le Pen vom rechtsradikalen Front National in Frankreich ins Leere, die Migration per se zu einem Problem erklären und Europas Liberalität als Auslöser solcher Tragödien wie jener in Nizza machen. Wirklichen Schutz gegen solche Angriffe gäbe es leider nur durch totale Kontrolle - und die ist keine Option für freie Gesellschaften wie die Europas.

Was bleibt, ist ratlose Trauer.

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