DIE ZEIT

Wolfowitz: "Keine politisch motivierte Kreditvergabe"

    Hamburg (ots) - Weltbankpräsident Paul D. Wolfowitz will Bolivien und andere lateinamerikanische Länder auch dann mit Beratung und Krediten unterstützen, wenn sie ihre Gas- und Ölfelder verstaatlichen. Das "können sie selber souverän entscheiden", sagt er in einem Interview mit der ZEIT. "Unsere Rolle ist es, ihnen zu helfen, es richtig zu machen." Für Wolfowitz heißt das, die enteigneten Firmen zu entschädigen und eine Investorenflucht zu vermeiden.

    Der 62-jährige Wolfowitz gilt als Vordenker der amerikanischen Invasion des Irak. Bevor er im Juni 2005 an die Spitze der Weltbank wechselte, war er stellvertretender Verteidigungsminister in der Bush-Administration. Kritiker fürchteten, dass Wolfowitz die Weltbank zum verlängerten Arm der US-Regierung machen werde. Doch gegenüber der ZEIT wies Wolfowitz solche Motive von sich.

    "Wünsche nach politisch motivierter Kreditvergabe sind mir nicht untergekommen", sagt er. Auch China solle weiterhin Kredite von der Weltbank erhalten, obwohl es auf großen Dollarreserven sitzt: "So lange die Chinesen glauben, dass eine Kreditaufnahme bei der Weltbank ein guter Weg ist, um Wissen über Umweltschutz, Armutsbekämpfung oder den Aufbau finanzieller Infrastruktur zu erwerben, sollte das so weiter laufen." Im Nahen Osten sei eine Ausbreitung der Demokratie keine zwingende Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung. "Sie können bereits viele Reformen und eine Öffnung des ökonomischen Systems erreichen - ohne politischen Wandel, den diese Länder vielleicht im Augenblick nicht wollen", sagt Wolfowitz.

    Das komplette ZEIT-Interview der ZEIT Nr. 24 vom 8. Juni 2006     senden wir Ihnen gerne zu.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Elke Bunse, DIE ZEIT Presse-und Öffentlichkeitsarbeit (Tel.: 040/3280-217, Fax: 040/3280-558, E-Mail: bunse@zeit.de)

Original-Content von: DIE ZEIT, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: DIE ZEIT

Das könnte Sie auch interessieren: