Deutsche Film- und Medienbewertung

Margarethe von Trottas DIE ABHANDENE WELT feiert besonders wertvollen Kinostart/Kinostart mit Prädikat auch für Tragikomödie HEDI SCHNEIDER STECKT FEST

Wiesbaden (ots) - Starkes Kino von starken Frauen: So lassen sich die FBW-Filmstartempfehlungen in dieser Woche am besten beschreiben.

DIE ABHANDENE WELT (Start: 7. Mai) ist der neue, sehr persönliche Film der Meisterregisseurin Margarethe von Trotta. Als Paul zufällig im Internet das Foto der Opernsängerin Catarina entdeckt, bemerkt er die frappierende Ähnlichkeit mit seiner verstorbenen Frau. Er bittet seine Tochter Sophie, die selbst Jazzsängerin ist, darum, nach New York zu fliegen, um Catarina aufzusuchen. Doch noch weiß Sophie nicht, dass diese Reise das Schicksal beider Frauen für immer verändern wird. Die fünfköpfige Jury der FBW war beeindruckt von dem fein nuanciert erzählten Werk der renommierten Filmemacherin, der hier "ein tiefer und ein leichter, ein kunstvoller und ein unterhaltsamer Film" gelungen sei. Sie vergab in einstimmigem Votum das höchste Prädikat "besonders wertvoll".

In ihrem zweiten Spielfilm HEDI SCHNEIDER STECKT FEST (Start: 7. Mai) erzählt Regisseurin Sonja Heiss von einer Frau, die mitten im Leben steht und dann ganz plötzlich, von einem Tag auf den anderen, von Panikattacken heimgesucht wird. Sie selbst weiß sich nicht zu helfen, auch ihre Familie und Freunde sind ratlos. Doch eines ist sicher: Hedi Schneider steckt fest. Die wunderbar leicht erzählte und doch berührende Tragikomödie konnte schon mehrere Auszeichnungen für sich verbuchen, darunter auch den Hessischen Filmpreis 2014 als bester Spielfilm. Auch die Expertenrunde der FBW lobte die herausragende deutsche Produktion und verlieh das Prädikat "besonders wertvoll". Ein Auszug aus dem Gutachten: "Der Detailreichtum und die Liebe zu den Figuren, das gelungene Sounddesign und die stimmige Musikauswahl, dazu eine exzellente Kameraführung, all dies präsentiert sich wie aus einem Guss und versteht es doch immer wieder, überraschende Details und Wendungen hervorzuzaubern, die diesen Film so überaus sympathisch machen."

Außerdem mit Prädikat im Kino: DAS VERSPRECHEN EINES LEBENS und THE FORECASTER. In der kommenden Woche: Katja von Garniers Fortsetzung des erfolgreichen Pferde-Abenteuers OSTWIND 2 sowie der Dokumentarfilm LA BUENA VIDA - DAS GUTE LEBEN. Mehr Informationen zu aktuellen und kommenden FBW-Empfehlungen unter www.fbw-filmbewertung.com.

Prädikatsfilme vom 7. Mai 2015

Die abhandene Welt

Spielfilm, Drama. Deutschland 2015.

Eigentlich kann es nicht sein. Und doch glaubt Paul bei einem Blick auf das Foto der Opernsängerin Caterina Fabiani seine verstorbene Frau zu erkennen. Er bittet seine Tochter Sophie, nach New York zu fliegen, um Caterina aufzusuchen und diesem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Wie zu erwarten, reagiert Caterina zunächst abwehrend auf die Fragen Sophies. Nur langsam öffnet sie sich der Tatsache, dass hier etwas nicht stimmen kann. Und nach und nach entblättert sich die Geschichte einer Familie, die beide Frauen für immer verändern wird. Und der sie sich beide stellen müssen. Margarethe von Trotta ließ sich von nichts geringerem als der eigenen Geschichte für ihren neuen Film inspirieren. Diesen Mut, diese Nähe und diese Emotion spürt man dann auch in jeder Szene des Films. Dazu tragen auch die beiden exzellenten Hauptdarstellerinnen bei. Katja Riemann und Barbara Sukowa verkörpern Sophie und Caterina intensiv sowie glaubwürdig und verleihen den komplexen Figuren Tiefe und Empathie. Auch musikalisch schenken beide dem Zuschauer große Momente. Geschickt verwebt von Trotta in ihrem Drehbuch Zeiten, Figuren, Erlebnisse und Gefühle. Neben der sehr persönlichen Geschichte entsteht so auch ein allumfassender Eindruck von dem, was Familie bedeutet. Eine gemeinsame Vergangenheit, gemeinsame Lügen und Geheimnisse, aber auch die gemeinsame Hoffnung auf zukünftiges Glück. Die Bilder sind klar und strukturiert. Auch das Setting, dominiert von kühlen Farben und moderner kühler Architektur, unterstützt diesen beherrschten Eindruck, der doch oft nur Fassade ist. Denn durch einzelne Fahrten, Einstellungen oder auch der Musik - von Soft Jazz bis hin zur Opernarie - bildet der Film interessante und vielschichtige Spannungsverhältnisse, die dem Zuschauer unter die Haut gehen. Mit ihrem neuesten Film gelingt Margarethe von Trotta erneut ein Meisterwerk - persönlich erzählt und doch von allgemeiner Gültigkeit.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/die_abhandene_welt

Hedi Schneider steckt fest

Spielfilm, Tragikomödie. Deutschland, Norwegen 2015.

Es ist zunächst nur der Aufzug, der nicht mitspielt. Als Hedi Schneider eines Tages in ihm feststeckt, bemüht sie sich noch, ihre gute Laune nicht darunter leiden zu lassen. Immerhin ist sie glücklich verheiratet, hat einen kleinen Sohn und versucht auch in der Firma, ihr sonniges Gemüt auf andere abfärben zu lassen. Doch eines Tages ist alles anders. Ganz plötzlich bekommt Hedi keine Luft mehr. Sie wird panisch, hat Angst zu sterben. Die Ärzte versuchen sie zu beruhigen, verschreiben Medikamente. Auch ihr Mann und ihre Mutter sind überzeugt, das wird schon wieder. Doch Hedis Angst bleibt. Nicht nur vorm Sterben. Sondern auch vorm Leben. Und so müssen alle einsehen: Die Hedi, die sie kannten, gibt es nicht mehr. Denn Hedi Schneider steckt fest. Was beginnt wie eine heitere und herrlich entspannte Komödie, entwickelt sich nach und nach zu einer intensiven Geschichte voller ernsthafter Momente. Denn so wie das heitere und stets gutgelaunte Wesen Hedis entschwindet, desto ernsthafter wird auch ihr Zustand. Doch dank eines großartigen Drehbuchs und der kongenialen Hauptdarstellerin Laura Tonke gelingt es der Regisseurin Sonja Heiss, trotz Traurigkeit auch immer wieder Leichtigkeit in die Erzählung zu bringen. Tonke spielt Hedi so nuanciert, dass in ihrer Mimik eine ganze Landkarte der Emotionen lesbar ist, selbst wenn diese Emotionen nicht mehr offen hervortreten können. Das Krankheitsbild wird glaubhaft dargestellt und auch der wichtige Aspekt des Umgangs der Familie damit wird nachvollziehbar vermittelt. Dazu trägt auch die Leistung der Darsteller, allen voran Hans Löw als Ehemann, deutlich bei. Alle Figuren, einschließlich Hedi, müssen lernen, die Angstzustände als einen Teil von ihr anzusehen. Dahin führt der Film mit sanfter und feinfühliger Hand und erschafft eine komplexe und dennoch unterhaltsame Geschichte. Am Ende beschließen Hedi und ihr Mann, das gemeinsame Glück nicht aufzugeben, so flüchtig und zerbrechlich es auch sein mag. Denn wer weiß schon, was morgen ist. Oder wie man sich fühlt. HEDI SCHNEIDER STECKT FEST ist ein Glücksfall im deutschen Erzählkino. Ein Film, der unterhält und fordert, der begeistert und berührt.

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