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PwC Deutschland

Boom in E7-Staaten beschleunigt Klimawandel

Frankfurt am Main (ots)

Wachstum der Schwellenländer erfordert Begrenzung der
   Kohlenstoffemissionen / PwC-Studie zeigt klimaneutrale
   Wachstumsstrategie auf / Industriestaaten müssen Führungsrolle
   übernehmen
Der rasante ökonomische Aufholprozess der der E7-Staaten
("Emerging Economies") beschleunigt die globale Klimaerwärmung. Ohne
eine wirksame Strategie zur Begrenzung der Emissionen droht bis 2050
eine Verdoppelung der Kohlenstoffkonzentration in der Erdatmosphäre,
deren ökologische und ökonomischen Folgen kaum absehbar sind. So
erreichen die E7-Staaten (Brasilien, China, Indien, Indonesien,
Mexiko, Russland und die Türkei) nach Berechnungen der
Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft
PricewaterhouseCoopers (PwC) derzeit nur rund 20 Prozent der
Wirtschaftsleistung der G7 (Deutschland, Frankreich, Großbritannien,
Italien, Japan, Kanada und USA). Dabei liegt der Anteil der
Schwellenländer am globalen Kohlenstoffausstoß bei 32 Prozent,
verglichen mit knapp 39 Prozent für die G7-Staaten. Im Jahr 2050
dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der E7 allerdings um 25
Prozent über demjenigen der G7 liegen. Während der Anteil der
etablierten Industriestaaten an den Kohlenstoffemissionen bis dahin
auf knapp 24 Prozent sinken sollte, wären die E7 bei einer
Fortschreibung des bisherigen Energieverbrauchs ("Baseline
Scenario") für fast 50 Prozent der weltweiten CO-Emissionen
verantwortlich. Dies geht aus der aktuellen PwC-Studie "The World in
2050: implications of global growth for carbon emissions and climate
change policy" hervor.
Das globale Wirtschaftswachstum muss jedoch nicht notwendigerweise
zu Lasten des Klimaschutzes gehen. "Unsere Analysen zeigen, dass der
Kohlenstoffausstoß durch die stärkere Nutzung alternativer
Energiequellen, effizienteren Energieeinsatz und die Einrichtung von
CO2-Speichern begrenzt und bis 2050 sogar unter das gegenwärtige
Niveau gedrückt werden könnte", erläutert Manfred Wiegand, Global
Utility Leader und Partner im Bereich Energy von PwC. Dabei läge das
weltweite BIP im Jahr 2050 lediglich leicht unter dem Wert, der sich
im "Baseline Scenario" ergäbe. Zur Umsetzung dieser sog. "Green
Growth Plus"-Strategie müssten die G7-Staaten jedoch ihre
Schrittmacherfunktion noch stärker als bislang wahrnehmen.
USA, China und Indien tragen besondere Verantwortung
Innerhalb der Wirtschaftsgruppen entfällt auf einzelne Staaten
eine besondere Verantwortung für die Begrenzung der
Kohlenstoffemissionen. So trugen die USA im Jahr 2004 mit fast 23
Prozent zum globalen Ausstoß bei, auf die übrigen G7-Staaten
entfielen zusammen lediglich weniger als 16 Prozent (Deutschland: 3,2
Prozent). Innerhalb der E7-Gruppe verursachten China und Indien
nahezu 21 Prozent der weltweiten Emissionen. Im "Baseline Scenario"
würde der Anteil der beiden Staaten am globalen Kohlenstoffausstoß
bis 2050 auf über 36 Prozent steigen. Der hohe Emissionsanteil der
großen drei Volkswirtschaften ist neben ihrer wirtschaftlichen
Entwicklung auch auf die starke Abhängigkeit von Erdöl und Kohle
zurück zu führen. Allein durch den Einsatz fossiler Brennstoffe in
den USA, China und Indien gelangen derzeit über 3,2 Milliarden Tonnen
Kohlenstoff in die Atmosphäre. Der entsprechende Wert für die EU
beträgt knapp 1,1 Milliarden Tonnen.
Klimaneutrales Wachstum ist möglich
Während der Zusammenhang von Kohlenstoffemissionen und globaler
Klimaerwärmung in der Wissenschaft mittlerweile als gesichert gilt,
gehen die Ansichten über mögliche Gegenstrategien auseinander. Die
PwC-Analyse kommt auf Grundlage der Ergebnisse verschiedener
Klimastudien zu dem Ergebnis, dass wirksamer Klimaschutz nicht zu
Lasten des Wirtschaftswachstums gehen muss. "Eine Strategie zur
Senkung der globalen Kohlenstoffemissionen lässt sich ohnehin nur mit
Unterstützung der wichtigsten Akteure implementieren. Weder die USA
noch China oder Indien würden einen Ansatz akzeptieren, der ihre
Wachstumsaussichten massiv beeinträchtigt", gibt Dr. Moritz Nill,
Experte im Bereich Carbon Market Services von PwC zu bedenken.
Die von den PwC-Experten favorisierte "Green Growth
Plus"-Strategie setzt auf drei wesentliche Aspekte: Die Substitution
fossiler Brennstoffe durch alternative Energiequellen, die Vermeidung
von Emissionen durch sogenannte "Clean Coal Technologien" und den
effizienten Energieeinsatz durch die Nutzung neuer Technologien zur
Kohlenstoffspeicherung, bei der bereits freigesetzte Emissionen
wieder gebunden werden.
Im Ergebnis prognostiziert die Studie bei konsequenter Umsetzung
der Strategie für 2050 eine Kohlenstoffkonzentration in der
Atmosphäre von etwa 450 ppm (Parts per Million). Diese Konzentration
läge zwar noch immer über dem aktuellen Wert von 380 ppm, wäre jedoch
zur Stabilisierung der Klimaentwicklung voraussichtlich gering genug.
Demgegenüber würde die Kohlenstoffkonzentration im
"Baseline-Szenario" bis 2050 auf rund 550 ppm ansteigen. "Damit würde
sich das Klima global um voraussichtlich mehr als zwei Grad Celsius
erwärmen. Nach Ansicht der meisten Klimaforscher wären ein Anstieg
des Meeresspiegels, Überflutungen sowie extreme Wetterverhältnisse
mit Dürren und Missernten unausweichliche und kaum kontrollierbare
Folgen", so Dr. Moritz Nill.
Umsetzung klimafreundlicher Strategien: Kosten vergleichsweise  
   gering
Die ökonomischen Kosten der "Green Growth Plus"-Strategie sind im
Vergleich gering: Eine Verringerung der weltweiten
Kohlenstoffemissionen um 50 bis 70 Prozent gegenüber dem "Baseline
Scenario" ginge einher mit einer um zwei bis drei Prozent niedrigeren
Weltwirtschaftsleistung im Jahr 2050. Dabei legen einige
Studienergebnisse sogar nahe, dass sich die Einbußen dank der
Lerneffekte beim Einsatz klimafreundlicher Technologien auf ein
Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts verringern könnten.
G7 müssen Führungsrolle übernehmen
Der Umsetzung einer klimaneutralen Wachstumsstrategie stehen mehr
politische Hürden als technologische Hindernisse im Wege: So stößt
beispielsweise die höhere Besteuerung kohlenstoffhaltiger
Energiequellen auch in den Industrieländern auf Widerstand. Das gilt
insbesondere in ökonomischen Abschwungphasen, wie etwa die regelmäßig
erhobene Forderung nach einer Abschaffung der so genannten Ökosteuer
in Deutschland zeigt.
Gleichzeitig wird der Ausbau der alternativen Energieerzeugung
immer schwieriger. Das gilt für Windkraftanlagen an den Küsten genau
so wie für Wasserkraftprojekte. Gesellschaftlich umstritten ist der
Bau neuer Kernkraftwerke, wobei neben dem Problem der Endlagerung
nuklearer Abfälle zunehmend auch Sorgen vor Terroranschlägen und der
Weiterverbreitung von waffenfähigem Material eine Rolle spielen.
"Eine Klimaschutzstrategie kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie
sich auf einen breiten gesellschaftlichen Konsens stützt. Viel Zeit
für die politische Überzeugungsarbeit bleibt allerdings nicht mehr",
warnt Manfred Wiegand. Denn selbst um innerhalb der Emissionsgrenzen
des "Baseline Scenario" zu bleiben, müssten schon bald weitere
Effizienzgewinne beim Energieeinsatz realisiert werden.
Die G7-Staaten müssen daher gemeinsam mit den reicheren Ländern
der OECD beim Klimaschutz die Initiative ergreifen. Das gilt sowohl
für die Entwicklung neuer Technologien als auch für die Reduzierung
des eigenen Kohlenstoffausstoßes. Innovative Konzepte können auch
gegen Interessen von einzelnen Staaten erfolgreich umgesetzt werden,
wie beispielsweise die EU mit der Einrichtung des Handelssystems für
Emissionsrechte gezeigt hat. Von den schnell wachsenden
Volkswirtschaften der E7 hingegen ist eine Senkung der
Kohlenstoffemissionen kaum zu erwarten. Realistischer ist eine
Selbstverpflichtung von Staaten wie China und Indien zur Einhaltung
von Höchstgrenzen in den kommenden Jahren. "Allerdings müssten dazu
die großen westlichen Industriestaaten mit gutem Beispiel voran
gehen. Die USA als derzeit größter Kohlenstoffproduzent haben bislang
jedoch noch nicht die Klimaschutzziele des Kyoto-Protokolls
ratifiziert", so Dr. Moritz Nill.
Die Studie "The World in 2050: implications of global growth for
carbon emissions and climate change policy" finden Sie als Download
unter: www.pwc.com
Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Manfred Wiegand
PricewaterhouseCoopers AG WPG
Global Utilities Leader
Tel.: (0201) 438 - 1509
E-Mail:  manfred.wiegand@de.pwc.com
Dr. Moritz Nill
PricewaterhouseCoopers AG WPG
Carbon Market Services
Tel.: (030) 2636 - 1398
E-Mail:  moritz.nill@de.pwc.com

Pressekontakt:

Nicole Susann Roschker
PricewaterhouseCoopers AG WPG
Corporate Communications / Presse
Tel.: (069) 9585 - 1669
E-Mail: nicole.susann.roschker@de.pwc.com

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