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MONITOR: Militärpolitischer Berater der Bundesregierung erhebt schwere Vorwürfe gegen NATO-Truppen in Afghanistan - "ISAF bekämpft bewusst Teile der Zivilbevölkerung" - "Verletzung des Kriegsvölkerrechts"

Köln (ots)

In ungewöhnlich scharfer Form hat der
militärpolitische Berater der Bundesregierung in Kabul den 
Militäreinsatz der NATO in Afghanistan kritisiert und dabei auch 
deutsche Generäle ausdrücklich mit einbezogen. Darüber berichtet das 
ARD-Magazin MONITOR in seiner heutigen Ausgabe (21.45 Uhr im Ersten).
In einem internen Schreiben an Außenminister Frank-Walter 
Steinmeier vom 13.05.2007, das MONITOR vorliegt, kritisiert der 
Berater die "Eskalation der militärischen Gewalt in Afghanistan". Es 
sei "unerträglich, dass unsere Koalitionstruppen und ISAF inzwischen 
bewusst Teile der Zivilbevölkerung und damit erhoffte Keime einer 
Zivilgesellschaft bekämpfen. Westliche Jagdbomber und 
Kampfhubschrauber verbreiten Angst und Schrecken unter der 
Zivilbevölkerung." "Wir sind dabei, durch diese unverhältnismäßige 
militärische Gewalt das Vertrauen der Afghanen zu verlieren", heißt 
es in dem Brief an den deutschen Außenminister weiter. Dabei sei 
"bekannt, dass es um die Verletzung des Kriegsvölkerrechts" gehe. Das
Schreiben warnt vor einer schleichenden, völkerrechtswidrigen 
Ausweitung des ISAF-Mandats: "Das Militär droht sich zu 
verselbständigen und von den politischen und völkerrechtlichen 
Vorgaben zu lösen."
Deutliche Kritik übt der militärpolitische Berater auch an der 
Informationspolitik der ISAF-Führung. Politikern und Parlamentariern 
gegenüber werde "die militärische Lage unzulässig geschönt 
dargestellt. Auch deutsche Generäle beschönigen oder verschweigen 
eigene Probleme." Dabei sprächen "die ständigen Forderungen nach 
Truppenverstärkung, die steigenden Kosten des militärischen 
Engagements, das Anwachsen eigener Verluste und die wachsende Zahl 
ziviler Opfer eine eigene Sprache", mit der "die Ungeeignetheit und 
Ausweglosigkeit militärischer Gewalt als Lösung der inneren und 
äußeren Probleme Afghanistans" zum Ausdruck käme.
Der Absender des Briefes ist seit Juli 2006 militärpolitischer 
Berater der Bundesregierung an der deutschen Botschaft in Kabul und 
war zuvor Leiter Aufklärung und Sicherheit der "Kabul Multinational 
Brigade" der ISAF (International Security Assistance Force).

Pressekontakt:

Annette Metzinger, WDR-Pressestelle, Tel. 0221 220 2770
Redaktion Monitor (WDR), Telefon 0221 220 3124, -3125, -3126

Original-Content von: WDR Westdeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell

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