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28.12.2015 – 14:56

WDR Westdeutscher Rundfunk

Radioreform: WDR 3 startet mit neuer Hörspielstrecke ins neue Jahr
"Herz der Finsternis" nach Orson Welles macht am 4. Januar den Anfang

Köln (ots)

   Das Kulturradio WDR 3 startet im neuen Jahr ein einzigartiges 
Radioexperiment: Als erster deutscher Sender führt WDR 3 einen 
werktäglich festen Hörspiel-Sendeplatz am Vorabend ein. Ab 4. Januar 
sendet das Kulturradio Montag bis Freitag um 19.05 Uhr ein knapp 
einstündiges Hörspiel. WDR 3-Programmchef Prof. Karl Karst: "Bei WDR 
3 muss künftig niemand mehr nach dem nächsten Hörspieltermin suchen. 
Es ist ganz einfach: An jedem Werktag um kurz nach 19 Uhr, also wenn 
der Tage zur Ruhe kommt, gibt es bei uns ein Hörspiel. Wir 
versprechen eine Hörspielstrecke mit hohem Kultpotential." Zusammen 
mit den Hörspielplätzen bei WDR 5 am Wochenende gibt es im WDR-Radio 
somit an jedem Tag ein Hörspiel. 

Die WDR 3-Hörspielstrecke widmet sich im Januar mit mehreren 
hochklassigen Hörspielproduktionen dem Thema "Entdecker". Den Auftakt
macht der Fünfteiler "Orson Welles' Herz der Finsternis" (4.-8. 
Januar) nach der berühmten Erzählung von Joseph Conrad. Das Hörspiel 
(Regie: Walter Adler) entstand nach einem nie verfilmten Drehbuch von
Orson Welles aus den 1930er Jahren und erzählt von einer Reise zu 
einem der letzten weißen Flecken dieser Erde, in den unermesslichen 
Dschungel Afrikas. Der Abenteurer Marlow wird von einer europäischen 
Handelsgesellschaft ausgeschickt, ihren verlorenen Agenten Kurtz zu 
finden. Seine Suche wird zu einer Reise ins Herz des Bösen. Ein 
Stoff, wie geschaffen für den genialen Egozentriker Orson Welles, der
nicht nur Regie führen, sondern auch die Rollen von Marlow und Kurtz 
zugleich spielen wollte. 1939 verfasst, sollte Welles' "Herz der 
Finsternis" auch eine Parabel auf das Böse werden, das sich im Herzen
der europäischen Zivilisation, in Deutschland, gerade Bahn brach. 
Viele Jahre später sollte eine andere Verfilmung dieses Stoffes 
Furore machen: "Apocalypse Now". Orson Welles' Drehbuch aber wurde 
nie realisiert, da es zu teuer und zu gewagt erschien. 

Auch die weiteren Neuproduktionen der nächsten Monate versprechen ein
spannendes Hörspielfrühjahr 2016. Im Februar taucht ein neuer 
Ermittler im WDR 3 Hörspiel auf, das freitags den Krimi präsentiert. 
Suchanek ist kein strahlendes Sherlock-Holmes-Genie, eher ein 
Antiheld, der das Böse in einer Gegend sucht, wo eine Kurve in der 
Landstraße schon ein Highlight ist. Der österreichische Autor Rainer 
Nikowitz hat sich mit seinen witz- und pointenreichen Suchanek-Krimis
rasch einen festen Spitzenplatz in der österreichischen Krimiszene 
erobert. Im Februar und im März gibt es die jeweils zweiteiligen 
Hörspielversionen seiner Romane "Volksfest" (WDR 3 Hörspiel, 19. und 
26. Februar, WDR 5 Krimi am Samstag, 20. und 27. Februar) und 
"Nachtmahl" (WDR 3, 4. März / WDR 5, 11. März).

"Ohrfeige", der neue Roman von Abbas Khider, erscheint parallel als 
Buch und als  Hörspiel: Ein Asylbewerber ohrfeigt seine 
Sachbearbeiterin und fesselt sie an ihren Stuhl. Nun muss sie ihm 
endlich zuhören! Tragisch und bitter-komisch ist die Odyssee des 
Irakers Karim Mensy als Flüchtling in der bayerischen Provinz. (WDR 5
Hörspiel am Sonntag, 31. Januar / WDR 3 Hörspiel, 1. Februar)

Im März startet das WDR-Hörspiel ein besonderes crossmediales Projekt
basierend auf dem Roman "Unendlicher Spaß" von David Foster Wallace: 
Die humorvolle Gesellschafts¬satire soll im Laufe eines Jahres 
interaktiv von Schauspielern, Prominenten, Hörern und Internetusern 
gelesen werden. "Unendlicher Spaß - Unendliches Spiel" wird ein 
großes "Volks-Leseprojekt".

In biografischen Close-ups erzählt Milo Rau im März in "Dark Ages" 
von Krieg und Vertreibung, vom Verlust von Heimat und Ideologie. Vier
Menschen berichten aus ihrem Leben: Srebrenica und Sarajevo, 
Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg oder Russland nach dem 
Zusammenbruch der Sowjetunion. Ein intimes Kammerspiel über die 
finsteren Seiten des sich vereinenden Europas. 

Der April steht im WDR-Hörspiel im Zeichen der Debatte um Hitlers 
Hetzschrift "Mein Kampf". Die Diskussion, ob und in welcher Form das 
Buch neu veröffentlicht werden darf, wirft Fragen auf: Worauf gründet
eigentlich der Mythos von "Mein Kampf"? Geht Gefahr davon aus? Die 
Theater- und Hörspielmacher Helgard Haug und Daniel Wetzel von Rimini
Protokoll suchen nach Antworten in ihrem Bühnenstück "Mein Kampf, 
Band 1&2", das sie für "WDR 3 Hörspiel" aktualisieren und neu fassen 
(WDR 5, Sonntag, 6. März; WDR 3, Montag, 7. März).

Mit dieser Vielfalt startet das Hörspiel im WDR auf seinem neuen 
Sendeplatz voller Elan ins Jahr 2016. "Zu allen Zeiten haben Menschen
gern Geschichten gehört. Und das wird auch immer so sein", so die 
Leiterin des WDR-Hörspiels, Martina Müller-Wallraf: "Wichtig ist 
dabei nur, dass man als Produzent nicht den Anschluss verliert: An 
die akuten Themen, aber auch an die aktuellen Kommunikationscodes. 
Dann wird Hörspiel ein lebendiges Element im Radio bleiben und eine 
einzigartige Kunstform. Weil es Freiräume im Denken schafft und 
nutzt. Es fordert die Phantasie auf besondere Weise, denn das 
vermeintliche Fehlen der Bilder öffnet die Wahrnehmung für ganz 
eigene und vielschichtige Vorstellungen."

Fotos zu dieser Meldung unter ARD-Foto.de 
 

Pressekontakt:

Uwe-Jens Lindner
WDR Presse und Information
Telefon 0221 220 7123
uwe-jens.lindner@wdr.de
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