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WDR Fernsehen: Bundestagspräsident Lammert kritisiert Krisenmanagement zu Guttenbergs

Düsseldorf (ots) - In der WDR Sendung Eins zu eins hat sich heute Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert kritisch zum Krisenmanagement von Karl Theodor zu Guttenberg in der Affäre um seine Doktorarbeit geäußert: "Die Presseerklärung, die Karl Theodor zu Guttenberg am vergangenen Freitag gegeben hat, war jedenfalls kein überzeugender Beitrag zur Problembewältigung und ich kann mir seinen Auftritt (...) nur so erklären, dass ihm zum damaligen Zeitpunkt das Ausmaß der Schlampigkeit nicht klar war, mit der die Arbeit verfasst und eingereicht worden ist."

In der Sendung nahm Lammert im Gespräch mit Anke Plättner auch Stellung zu den Vorwürfen, Guttenberg habe den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages für seine Doktorarbeit genutzt. Er betonte, dass das Recht an der Verwertung dieser gutachterlichen Stellungnahmen keineswegs an den Abgeordneten übergehe. Wenn er es weiter verwerten möchte, bedürfe es einer förmlichen Genehmigung. Wenn Arbeiten des wissenschaftlichen Dienstes ohne Quellenangaben genutzt würden, dann, so Lammert wörtlich, "(...) wäre das offenkundig ein doppelter Verstoß sowohl gegenüber den Regelungen des deutschen Bundestages in der Nutzung des wissenschaftlichen Dienstes als auch gegenüber den wissenschaftlichen Mindeststandards bei der Verfassung von wissenschaftlichen Arbeiten."

Als Konsequenz aus den Vorfällen kündigte Lammert eine erneute Befassung des Ältestenrates an: " Es würde mich nicht überraschen, wenn der jüngste Vorgang Gegenstand einer erneuten Befassung im Ältestenrat des Bundestages mit dem Umgang mit Texten aus dem wissenschaftlichen Dienst sein würde. Ich habe mehrfach alle Fraktionen auf die Regelungen aufmerksam gemacht."

Norbert Lammert sieht auch die Verantwortung der Universität: "Dass dieser Vorgang erhebliche Zweifel an die Seriosität des Umgangs einer deutschen Universität mit der Vergabe von akademischen Titeln erzeugt, das wird - wenn sich der Pulverdampf um die Person verzogen hat - in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken."

Norbert Lammert weiter: "Dass die Medien nun entdecken, dass es sich bei diesem Kollegen nicht um einen Außerirdischen handelt, den sie aber der deutschen Öffentlichkeit über Monate aber genau als solchen verkauft haben, gehört für mich auch zur notwendigen Aufarbeitung."

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