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31.03.2004 – 12:09

ZDF

ZDF-Programmhinweis
Donnerstag, 1. April 2004, 21.15 Uhr
auslandsjournal

Mainz (ots)

Donnerstag, 1. April 2004, 21.15 Uhr
auslandsjournal
mit Dietmar Ossenberg
Frauen, Fußball, Freundschaft - Eine Araberin in Israels Nationalteam
Sie dribbelt sicher und elegant durch die gegnerische Abwehr,
täuscht an, zieht am letzten Verteidiger vorbei, ein Blick und Tor.
Reine Routine für Reem Moussa, Israels jüngste Torkönigin. Die
dreizehnjährige Mittelstürmerin ist der Stolz ihrer Mannschaft, sie
schießt ein Tor nach dem anderen, für sie ist es bereits zur
Selbstverständlichkeit geworden. Doch es ist alles andere als
selbstverständlich, dass sie in der israelischen Mannschaft spielt,
denn Reem ist Araberin.
Jeder fünfte Israeli ist Muslim, doch die täglichen
Selbstmordanschläge haben das Zusammenleben vergiftet. Juden und
Muslime begegnen sich mit Misstrauen. Sie leben in getrennten
Vierteln, man könnte fast meinen, in zwei getrennten Welten. Das Dorf
Abu Sinan im Norden Israels, in dem Reem mit ihrer Familie lebt, ist
mehrheitlich arabisch, Juden gibt es hier nur wenige. Die Frauen auf
der Straße sind verschleiert und in lange, wallende Gewänder gehüllt.
Die Männer versammeln sich freitags in der Moschee zum Gebet. Ein
Mädchen, das kurze Haare trägt wie ein Junge und mit bloßen Knien
über den Sportplatz läuft, muss daher Aufsehen erregen. Reems Eltern
haben sich zuerst viele kritische Kommentare von ihren Nachbarn
anhören müssen. Doch ihr Vater Dr. Atalla Moussa verteidigt seine
Tochter hartnäckig. Er ist ihr größter Fan und steht bedingungslos
hinter ihr. "Von kurzen Hosen ist im Koran keine Rede, dort steht
sogar, Frauen sollen Sport treiben", betont er.
Mittlerweile ist es auch im Ort akzeptiert. "Wir sind stolz
darauf, dass ein Mädchen aus Abu Sinan den Sprung in Israels Auswahl
geschafft hat", meint ein älterer Mann, und eine Frau mit Kopftuch
ergänzt: "Wir sind moderne Muslime. Wir haben nichts dagegen, wenn
unsere Mädchen Fußball spielen." Insbesondere, wenn sie dabei
erfolgreich sind: Bei der Schülerweltmeisterschaft vergangenes Jahr
zogen die Fußballerinnen aus Israel von einem Sieg zum anderen. Reems
Vater war immer dabei, fieberte mit und jubelte bei jedem Tor. Erst
im Finale unterlagen sie den Französinnen. Reem war untröstlich über
die Niederlage, doch das ganze Land feierte ihr Team. Auch ihr
Trainer Yossi Sofer ist begeistert: "Dieses Mädchen ist ein
Riesentalent. Sie hat das Tore schießen im Blut. Wahrscheinlich ist
sie mit diesem Torinstinkt geboren worden."
Für Reem ist das Zusammenleben so natürlich geworden, dass es ihr
schwer fällt, dafür Worte zu finden. "Wir halten zusammen wie
Schwestern", sagt sie. Die einzigen Schlachten, die sich die Mädchen
liefern, sind Kissenschlachten. Ihr Vater hält das für den Beweis,
dass es möglich ist, in Frieden und Harmonie miteinander zu leben.
Was für das Team gilt, könnte auch für Israel gelten: gemeinsam zum
Erfolg.
ZDF-Korrespondent Dietmar Schumann hat die junge Torkönigin
spielen gesehen und erlebt, wie die Freude am Fußball die Menschen
über die Religionsgrenzen hinweg vereint.
Weitere Themen:
Männer, Matsch, Moskitos - Die Fremdenlegion in Französisch Guayana
Mohn, Macht, Militär - Afghanistan im Bann der Drogen
ots-Originaltext: ZDF
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