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Sonntag, 26. September 2010, 18.30 Uhr / ZDF.reportage / Einmal Westen und zurück

Mainz (ots) - Sonntag, 26. September 2010, 18.30 Uhr

ZDF.reportage

Einmal Westen und zurück

Ostdeutsche auf dem Weg in die Heimat

Ein Film von Susanne Brand und Nicola Graef

Nach 20 Jahren ziehen Angelika und Jochen Schneider von Lich in Mittelhessen zurück in ihre alte Heimat: Ostdeutschland. Aus dem idyllischen Reihenhaus in der Provinz geht es in eine Köpenicker Mietwohnung. 20 Jahre Westen haben viel Gutes ins Leben der Familie gebracht, doch jetzt möchten sie unbedingt zurück. Dorthin, wo sie herkommen. In den Osten.

Nur ein halbes Jahr nach der Wiedervereinigung entschlossen sie sich - damals im März 1990 - vom sächsischen Weißwasser in den Westen zu gehen. "Wir hofften auf bessere Zukunftschancen für uns und unsere Kinder", erzählt Jochen Schneider. Sie fanden Arbeit und kauften später eine Doppelhaushälfte. Als Ingenieur und Bürokauffrau arbeiteten sie viel und erfolgreich. "Wir haben hier viele Freunde gefunden, aber bei bestimmten Nachbarn sind wir auch immer die 'Ossis' geblieben."

Nachdem sie in Rente gegangen sind, ist klar: zurück in den Osten! Ihre Tochter Babette arbeitet mittlerweile in der Schweiz, sie versteht die Motive der Eltern, denkt aber nicht daran, eine ähnliche Entscheidung zu treffen. Für sie gibt es keine Unterscheidung mehr zwischen Ost und West. Sie will die Welt immer wieder aufs Neue erkunden und vor allem dorthin, wo sie ihren Beruf ausüben kann. Den ganzen Sommer über erkunden Angelika und Jochen Schneider ihre neue alte Heimat. "Der Geruch der Kiefernwälder hat mir gefehlt", sagt Jochen Schneider. Sie besuchen Weißwasser in Sachsen, ihre alte Wohnung im Plattenbau und das Grab ihrer Tochter Nadja, das sie nie mit nach Hessen nehmen wollten, weil sie wussten, dass sie irgendwann zurückkehren werden.

Sandra Kowalski war 19, als sie aus dem beschaulichen Halberstadt im Ostharz nach München zog, ihr Mann Thomas hatte einen Job als Bankberater bekommen. "Ich war die erste in der Familie, die in den Westen ging, die Wende war knapp neun Jahre her. Meine Eltern haben immer gesagt, wenn du da arbeiten kannst, musst du das machen." Sandra beendete in Bayern eine Ausbildung zur Physiotherapeutin und wechselte zu BMW in die Personalabteilung. "Dass ich Ossi bin, war am Anfang schon immer ein Thema, aber irgendwann hat sich das auch gelegt. Für uns war der Westen eine wichtige Erfahrung, aber es war sicher nicht nur alles toll." Das Paar will das große Abenteuer wagen, sich in Chile selbstständig machen, alles ist vorbereitet. Einen Tag vor Vertragsabschluss zieht der Partner sein Angebot zurück. "Das konnten wir nicht glauben, im Osten zählt dein Wort. Wir waren geschockt." Sandra und Thomas gehen zurück in die Heimat, in den Heimatort, zurück zur Familie nach Halberstadt. Die beiden sind "Anpacker", und sie sind ehrgeizig. In wenigen Jahren bauten sie sich in Halberstadt ein neues Leben auf. Thomas leitet eine Firma, die sich um die Restaurierung denkmalgeschützter Häuser und Gebäude kümmert. "Ich bin sehr glücklich, wieder zu Hause zu sein.

Es gibt so tolle Ecken im Osten, das will ich zeigen, und ich möchte etwa beitragen dazu, meine Heimat schöner zu machen." Sandra und Thomas haben eine Erfolgsgeschichte im Osten Deutschlands hingelegt, die allen Vorurteilen widerspricht. Zwei Ossis, die diese Abkürzung nicht als Beschimpfung verstehen, sondern stolz sind auf das, was sie geschaffen haben.

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