Evangelische Akademie zu Berlin
Resiliente Bildung für eine resiliente Demokratie | Stellungnahmen zur Demokratie
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Resiliente Bildung für eine resiliente Demokratie
Mehr Mut zur Selbstkritik im Bildungswesen
Populistische Kritik gewinnt dort an Kraft, wo sie auf reale Probleme trifft. Wer Demokratie stärken will, muss deshalb beides zugleich können: demokratiefeindliche Angriffe zurückweisen und berechtigte Kritik ernst nehmen. Das unterstreichen die Direktoren und die Direktorin der Evangelischen Akademien in Ostdeutschland nach ihrem 14. Fachgespräch zur Demokratie.
Sachsen-Anhalt verzeichnet seit Jahren bundesweit die höchste Quote von Schülerinnen und Schülern ohne Schulabschluss. Lehrkräftemangel und Unterrichtsausfall untergraben das Vertrauen in das Bildungssystem. Auch Hochschulen geraten unter Druck, wenn der Eindruck entsteht, wissenschaftliche Debatten würden durch politische oder moralische Erwartungen eingeengt. Die Erfahrungen amerikanischer Universitäten zeigen, wie schnell der Vorwurf einer „Agendawissenschaft“ an Wirkung gewinnt, wenn außerwissenschaftliche Ziele den offenen Streit der Argumente zu überlagern scheinen. Als strukturelle Selbstbeschädigung kann die derzeitige Praxis bezeichnet werden, dass circa drei Viertel der Beschäftigten im Bereich der Hochschulen befristet angestellt sind. Das gibt es so im Ländervergleich nur in Deutschland.
„Wir dürfen berechtigte Kritik nicht den Populisten überlassen. Die Freiheit von Bildung und Wissenschaft verteidigt man nicht, indem man ihre Schwächen verschweigt, sondern indem man sie offen anspricht und gemeinsam an ihrer Erneuerung arbeitet“, erklärt Christoph Maier, Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt.
Diese Einsicht bestätigt auch der Hallenser Bildungsforscher Peer Pasternack, der im Hintergrundgespräch mit den Direktoren der ostdeutschen Evangelischen Akademien über seine Forschungen zu resilienten Hochschulen sprach. Demokratie ist keine selbstverständliche Voraussetzung von Wissenschaft und Bildung mehr. Deshalb müssen Bildungsinstitutionen ihre Resilienz als eigene und unabhängige Systeme stärken.
Dazu gehört auch die Rückbesinnung auf ihren eigentlichen Auftrag: Menschen zur eigenständigen Urteilsbildung zu befähigen. Wissenschaft und politische Bildung gewinnen ihre Glaubwürdigkeit nicht aus der Vermittlung erwünschter Überzeugungen, sondern aus der Freiheit des Denkens. Ebenso müssen sie Orte des offenen Widerspruchs bleiben. Wo unterschiedliche Positionen argumentativ ausgetragen werden, verliert der Vorwurf einer „Agendawissenschaft“ seine Plausibilität. Schließlich bedarf ihre institutionelle Unabhängigkeit eines besonderen Schutzes. Forschung und Bildung dürfen weder parteipolitischen Interessen noch wechselnden gesellschaftlichen Erwartungen unterworfen werden.
„Demokratie braucht Bildungsorte, an denen niemand schon vorher weiß, was am Ende gedacht werden muss. Wo der freie Streit der Argumente geschützt wird, entsteht Vertrauen – und damit die eigentliche Stärke einer demokratischen Gesellschaft“, sagt Sebastian Kranich, Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen.
Gerade in Ostdeutschland wissen wir: Demokratie wird nicht dadurch resilient, dass ihre Institutionen unangreifbar sind. Sie wird resilient, wenn ihre Institutionen Kritik aufnehmen, sich selbst erneuern und gerade darin ihre Freiheit behaupten.
Die Direktoren und die Direktorin der Evangelischen Akademien in Ostdeutschland debattieren seit Anfang 2024 regelmäßig in einem Fachgespräch mit Wissenschaftlerinnen, Medienvertretern und Theologen. Mit einem Fokus auf Ostdeutschland sprechen sie dabei über den Druck, der derzeit auf der liberalen Demokratie lastet, und über den Umgang mit rechtsradikalen Parteien. Die Essenz dieser Gespräche veröffentlichen die Akademien als gemeinsame Stellungnahmen zur Demokratie.
- Dr. Sebastian Kranich, Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen
- Dr. Friederike Krippner, Direktorin der Evangelischen Akademie zu Berlin
- Christian Kurzke, Vertreter der Akademiedirektion der Evangelischen Akademie Sachsen
- Christoph Maier, Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt
- Prof. Dr. Henning Theißen, Direktor der Evangelischen Akademie der Nordkirche
Rückfragen beantwortet: Dr. Sebastian Kranich, Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen
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