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Kölnische Rundschau: zu Konjunkturprognosen

    Köln (ots) - Katastrophale Zahlen von der Exportwirtschaft, bittere Auftragseinbrüche im Maschinenbau, eine tiefe Rezession im ersten Quartal - wer mag sie schon noch hören, die Horrormeldungen aus der Wirtschaft? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) reiht sich nun ein in die Riege derer, die von einer Erholung der Konjunktur zum Jahresende ausgeht. Sicher haben wir alle drauf gewartet, auf die guten Nachrichten. Bloß: Schon widersprechen die Ersten dieser Prognose. Was nichts anderes heißt, als: Die Forscher stochern weiter im Nebel. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass die Rechenmodelle der Experten in dieser außergewöhnlichen Situation an ihre Grenzen stoßen. So ist etwa die Wirkung von Finanzblasen auf die reale Wirtschaft weiter nicht recht erklärbar. Und seien wir ehrlich: Diese DIW-Erwartung speist sich aus Trivialitäten. Das Institut begründet seinen Optimismus mit niedrigen Rohstoffpreisen und den Wirkungen von Konjunkturprogrammen. Naja. Selbst, wenn es in einigen Branchen minimale Anzeichen für eine Besserung gibt - auch das DIW weiß nicht, an welchem Punkt sich die Welt in der Finanzkrise gerade befindet. Auf der Zielgeraden? Erst mittendrin? Oder steht uns gar der Höhepunkt noch bevor? Ein neuer Bankenknall à la Lehman Brothers würde bereits reichen, und die Folgen für die ganze Wirtschaft dürften noch bitterer werden. Es wäre deshalb ehrlich gewesen, wenn das DIW den selbst eingeschlagenen Weg zu Ende gegangen wäre, mithin nicht nur für 2010 auf eine konkrete Prognose verzichtet, sondern auch die Nennung eines Zeitpunktes für die erwartete Wende unterlassen hätte. Natürlich sind Konjunkturprognosen in "normalen" Zeiten wichtig - etwa, um Unternehmen und Bürgern Hilfen bei Investitionsentscheidungen zu geben. Das heißt aber auch, dass Forscher mit ihren Aussagen verantwortungsvoll umgehen müssen. Und das bedeutet ebenso, dass sie sich im Zweifel besser zurückhalten. Manchmal ist es einfach besser, auf Sicht zu fahren.

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