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OHB greift nach den Sternen: OHB System AG für Vertragsverhandlungen über ESA-Wissenschaftsmission PLATO ausgewählt

OHB war erste Wahl für die ESA bei der Vergabe des Wissenschaftssatelliten PLATO (artist’s impression © OHB System AG)

PLAnetary Transits and Oscillations of stars (PLATO), heißt die dritte M(edium)-Class Mission im Cosmic-Vision-Programm der ESA, bei der es um die Beobachtung von Exoplaneten geht. Für die Realisierung des Satelliten wurde die OHB System AG für Vertragsverhandlungen als industrieller Hauptauftragnehmer der ESA ausgewählt.

Die Wissenschaftsmission PLATO (planetare Transite und Oszillationen von Sternen) der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) soll im Jahr 2026 starten. Bei PLATO handelt es sich um ein satelliten-gestütztes Observatorium für den Einsatz im Weltraum, mit dem Exoplaneten 1) in der Umlaufbahn anderer Sonnensysteme aufgespürt und erforscht werden können. Der Hauptauftragnehmer OHB kann bei der Entwicklung und Fertigung des PLATO-Satelliten auf ein aus Thales Alenia Space (Frankreich und UK) und RUAG Space Schweiz bestehendes Kernteam zurückgreifen. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf rund EUR 297 Mio. Die Vertragsverhandlungen und die Vertragsunterzeichnung mit OHB werden für Mitte Juni erwartet.

OHB verhandelt ersten Hauptauftrag für ESA-Wissenschaftsmission

"Ich bin den Verantwortlichen bei der ESA sehr dankbar, dass sie unser Konzept für den Wissenschaftssatelliten ausgewählt haben sowie unserer fachlichen Expertise und unseren Projektmanagement-Fähigkeiten Vertrauen schenken", sagt der Vorstandsvorsitzende Marco Fuchs. "Da wir mit den übertragenen Aufgaben erstmals die Entwicklung und Herstellung eines kompletten Wissenschaftssatelliten für die ESA verantworten, können wir mit PLATO einen weiteren bedeutenden Meilenstein in der Erfolgsgeschichte der OHB System AG setzen. Dabei werden wir von exzellenten Kernteampartnern unterstützt, mit denen wir seit Jahren auch auf anderen Gebieten vertrauensvoll zusammen arbeiten."

Der Vertrag mit der ESA umfasst die Lieferung des 2 Tonnen schweren Satelliten einschließlich der geforderten Tests vor dem Start und die Unterstützung durch OHB-Personal während der Start-Kampagne und der Inbetriebnahme-Phase im All Der Vertrag endet mit der so genannten In-Orbit Verifikation ab, die die volle Funktionsfähigkeit des Satelliten im Orbit attestiert.

Vorarbeit in Studien

In den vergangenen Jahren haben die entsprechenden Teams bei OHB für die PLATO-Mission zwei vorbereitende Studien durchgeführt. Im Rahmen einer ESA-Studie beschäftigte sich OHB eingehend mit der Entwicklung des Satellitendesigns für die PLATO Mission. Die Unterbringung der optischen Nutzlast, die von einem aus Deutschland geführten Nutzlast-Konsortium beigestellt wird, war Gegenstand der OHB-Studie im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Für die konkrete Umsetzung hat sich das DLR bereits für die OHB System AG entschieden, die als Spezialistin für optische Systeme gilt und sich auch im Bereich Wissenschaft einen guten Namen erarbeitet hat. Jetzt können die OHB-Teams ihre in beiden Studien erlangten Erkenntnisse direkt in die Realisierungsphase des Satelliten PLATO einbringen.

PLATO soll fundamentalen Fragen auf den Grund gehen

Die Wissenschaftler versprechen sich Antworten auf Fragestellungen wie diese: Wie entstehen Planeten? Und wie verändern sie sich mit der Zeit? Ist unser Sonnensystem einzigartig? Welche Eigenschaften haben erdähnliche Planeten in der habitablen (bewohnbaren) Zone von Sternen? Und, ja: Indirekt trägt PLATO auch zur Klärung der uralten Frage bei, ob es in anderen Sonnensystemen Leben geben könnte.

"PLATO soll extrasolare Planetensysteme nicht nur aufspüren sondern auch erforschen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Erforschung der Eigenschaften terrestrischer Planeten in der habitablen Zone um Sonnen-ähnliche Sterne", erläutert Andrea Sacchetti, Projektleiter PLATO. "Außerdem soll PLATO auch seismische Aktivitäten im Inneren der Sterne untersuchen, denn davon versprechen sich die Wissenschaftler Aufschluss über die genauere Charakterisierung des Heimatsternes inklusive seines Alters".

So spürt PLATO unbekannte Planeten auf

Andrea Sacchetti, erklärt, wie der 2-Tonnen-Satellit die fernen Exoplaneten sichtbarmachen kann: "Sobald PLATO seinen Zielorbit um den Lagrange Punkt 2 2) erreicht hat, wird die Nutzlast, die aus insgesamt 26 Kameras besteht, auf Sterne vor dem dunklen Weltall ausgerichtet. Die Kameras detektieren sehr geringe und regelmäßige Lichteinbußen, die entstehen, wenn Planeten an den Sternen vorbeifliegen und dabei kurzzeitig einen Teil des Sternenlichts ausblenden.

Europäisches Team für PLATO

"PLATO ist eine gleichsam spannende und anspruchsvolle Mission! Wir alle sind stolz, mit diesem Beitrag die Forschungsziele der ESA unterstützen zu dürfen! Neben unseren europäischen Kernteampartnern beauftragen wir bei der Realisierung des PLATO Satelliten verschiedene Unterauftragnehmer aus den ESA-Mitgliedsländern. Gerade für die kleineren Unternehmen ist dies eine große Chance, die eigene Expertise bei solch einem Renommierprojekt zu zeigen", sagt Andrea Sacchetti.

Gemeinsam will man einen leistungsfähigen Satelliten erschaffen, der in 1,5 Millionen Kilometern Entfernung im wahrsten Sinne des Wortes "neue Welten entdecken" soll. Antonio Garcia ist Systemmanager für den PLATO Satelliten und führt aus: "Diese herausfordernde Mission soll die exo-planetare Wissenschaft einen großen Schritt vorwärts bringen. Um die geforderte Qualität der wissenschaftlichen Beobachtungen garantieren zu können, haben wir recht ehrgeizige Anforderungen an unser Satellitendesign gestellt - etwa bezüglich der Ausrichtung der optischen Nutzlast und seiner Stabilität. Es geht um die extrem präzise, langfristige und ununterbrochene photometrische Beobachtung heller Sternen im sichtbaren Bereich. Nur so können die Exoplaneten überhaupt entdeckt werden".

Der Kernteampartner Thales Alenia Space, Frankreich, ist für die Avionik, d.h. das on-Bord Handling von Daten sowie die Lage- und Orbit-Kontrolle des Satelliten verantwortlich. Bei Thales Alenia Space in England wird die Satellitenplattform integriert und getestet werden.

Der andere Kernteampartner, RUAG Space Schweiz, konzipiert und fertigt die so genannte Optische Bank. Sie ist die "Basis" auf der später die 26 etwa kniehohen Kameras aus Deutschland - vom DLR und einem Konsortium verschiedener europäischer Forschungszentren und Institute entwickelt und gefertigt - integriert werden. Diese Arbeiten werden von den Expertinnen und Experten der OHB am "OHB-Raumfahrtzentrum Optik & Wissenschaft" in Oberpfaffenhofen bei München in einem speziellen Reinraum der ISO-Klasse 5 durchgeführt werden.

1) Planeten sind Objekte, die sich im gravitativen Einfluss eines Sterns befinden, ihn also umkreisen. Exoplaneten oder extrasolare Planeten befinden sich außerhalb unseres Sonnensystems, im Gravitationsfeld anderer Sonnen.

2) Der Satellit behält auf diesem Orbit seine Orientierung in Bezug auf Sonne und Erde bei. Seine der Sonne zugewandten Solarpanels erzeugen die erforderliche Energie. Der in der Regel dreimonatigen Beobachtungszeit folgt ein Schwenkmanöver, das die Nutzlast vor der dann direkten Sonneneinstrahlung schützt.

Günther Hörbst
Leiter Unternehmenskommunikation
 
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