Frauenanteil in DAX- und MDAX-Vorständen erstmals rückläufig
München (ots)
- Nach Jahren des Wachstums verlieren deutsche Indizes im internationalen Vergleich an Boden
- Leichter Rückgang des Frauenanteils in DAX 40 und MDAX
- Rekordzahl von Vorständen mit 50% Frauen – gleichzeitig viele Gremien weiterhin ohne Frau
- Neue Vorständinnen im DAX ausschließlich in HR- und Finanzressorts berufen
- Frauen scheiden weiterhin deutlich früher als Männer wieder aus Vorständen aus
Nach mehreren Jahren kontinuierlichen und teils deutlichen Wachstums ist der Frauenanteil in den Vorständen der 90 Unternehmen der beiden großen deutschen Börsenindizes erstmals wieder leicht gesunken. Im DAX 40 sind aktuell 25,5% der Vorstandsmitglieder weiblich – ein Rückgang um 0,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Im MDAX fällt der Frauenanteil um 0,4 Prozentpunkte auf 19,5%. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Vorstandsgremien durch die Personalberatung Russell Reynolds Associates.
Damit endet vorerst die zehnjährige Phase stetigen Fortschritts, in der sich der Anteil der Frauen in den Vorständen der Unternehmen beider Indizes Jahr für Jahr erhöht hatte. Zwar bleibt das Niveau nahe dem historischen Hoch, doch der Trend signalisiert eine spürbare Abschwächung der Dynamik.
Rückfall im internationalen Vergleich
Auch im internationalen Vergleich verliert Deutschland an Boden. In einer Vergleichsgruppe von neun Ländern sind Deutschland und Schweden die einzigen Märkte, in denen der Frauenanteil in Vorständen im Jahresvergleich gesunken ist. Sowohl der DAX als auch der MDAX rutschen damit in die untere Hälfte des internationalen Rankings ab, nachdem sie sich in den vergangenen Jahren schrittweise nach vorne gearbeitet hatten.
Mehr Parität an der Spitze – und dennoch viele rein männliche Vorstände
Trotz des Rückgangs zeigen sich auch positive Entwicklungen: Erstmals erreichen vier DAX-40-Unternehmen einen Frauenanteil von 50% im Vorstand. Im MDAX sind es erstmals fünf Unternehmen. «Diese Beispiele belegen, dass paritätisch besetzte Vorstände inzwischen durchaus realisierbar sind», sagt Jens-Thomas Pietralla, Leiter der Globalen Board & CEO-Praxisgruppe von Russell Reynolds Associates.
Gleichzeitig bleibt die Spreizung hoch. Zwei DAX-40-Unternehmen haben keine einzige Frau im Vorstand (Brenntag und Porsche SE), ein Unternehmen mehr als im Vorjahr. Im MDAX sind es 16 Unternehmen mit rein männlich besetzten Gremien. Damit existieren Unternehmen mit Spitzenwerten und mit erheblichen Defiziten weiterhin nebeneinander.
Alle neuen DAX-Vorständinnen ohne operative Ergebnisverantwortung
Auffällig ist die funktionale Verteilung der neu berufenen Frauen im DAX 40. Keine von ihnen wurde in eine der vierzehn Vorstandsressorts mit direkter Ergebnisverantwortung oder in die sieben Supply-Chain-Positionen berufen. Fünf – und damit über 70% – der im vergangenen Jahr neu hinzugekommenen Vorständinnen im DAX übernahmen das Personalressort (CHRO), die übrigen wurden zur Finanzvorständin (CFO) berufen.
«Keines der neuen weiblichen Vorstandsmitglieder trägt direkte Geschäftsverantwortung für z.B. einen Geschäftsbereich oder eine Region. Hier sehen wir die bedenklichste Entwicklung in der Besetzung der Vorstände. Denn ohne diese Erfahrung ist der Schritt hin zum CEO für Frauen unverändert deutlich schwieriger als für Männer», so Jens-Thomas Pietralla. So wurden die fünf im DAX neu zu besetzenden CEO-Positionen ausschließlich mit Männern besetzt. Gleiches gilt für alle neu vergebenen Vorstandsposten als Geschäftsbereichsleiter (7 Posten), Regionalverantwortliche (2) sowie für Vorstandsmandate mit Zuständigkeit für Lieferketten und Technologie (7).
Hohe Fluktuation: Frauen scheiden weiterhin früher aus
Nach einem unterdurchschnittlichen Vorjahr wurden 2025 wieder überdurchschnittlich viele Vorstandsmitglieder ausgetauscht. Erneut zeigt sich dabei, dass die durchschnittliche Verweildauer der ausgeschiedenen Frauen niedriger ist als die der Männer. Der Abstand hat sich zwar verringert, bleibt jedoch deutlich bestehen (7,9 Jahre bei Männern gegenüber 4,9 Jahren bei Frauen).
«Die Analyse zeigt ein ambivalentes Bild: Während einzelne Unternehmen Parität im Vorstand erreichen und der Frauenanteil insgesamt auf hohem Niveau bleibt, verliert die Entwicklung an Dynamik. Der internationale Vergleich, die Machtverteilung in den Vorständen sowie die kürzere Verweildauer von Frauen machen deutlich, dass eine strukturelle Gleichstellung in den deutschen Vorstandsetagen weiterhin nicht erreicht ist», sagt Jens-Thomas Pietralla.
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