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"ttt - titel thesen temperamente" (BR) am Sonntag, 8. Oktober 2017, um 23:05 Uhr

München (ots) - Moderation: Max Moor

Die geplanten Themen:

Raffael / Die Geburt eines Genies - die große Raffael-Schau in der Albertina Wien lässt einen daran teilhaben. In hundertdreißig Zeichnungen kann man den Schaffensprozess dieses Großmeisters nachvollziehen. Und: Raffaels Zeichnungen wurden schon zu Lebzeiten als eigenständige Werke teuer gehandelt. Dazu kommen in der Albertina 18 Gemälde aus allen Schaffensperioden des Renaissance-Malers - sie demonstrieren das unglaubliche Können und die Meisterschaft Raffaels. Dabei ist vielen von uns überhaupt nicht mehr geläufig, was genau sein Genie eigentlich ausgemacht hat. Die vielen christlichen Motive der Madonna mit dem Kind sind in unserem Bilderkanon längst durchgewunken als Inbegriff des Harmonisch-Gefälligen. Klassische Schönheit ist für uns nur noch schwer seh- und richtig wahrnehmbar. Es gilt sich klar zu machen, was Raffael als einer der Ersten getan hat: Er hat die unvollkommen erscheinende Natur mit den Idealen des klassischen Altertums versöhnt. Seine Zeichnungen lassen jetzt den frischen Geist dieses Renaissance-Großmeisters erstrahlen, die 500 Jahre alten Blätter wirken vollkommen lebendig - er vereint dabei die Stärken seiner Vorbilder Leonardo und Michelangelo in Psychologie und Anatomie. Raffael jenseits von Kitsch und Verklärung - in Wien kommt man dem Genie so nahe, wie lange nicht.

Attribution Science / Detektivin der Stürme, hat der Spiegel sie genannt - die in Philosophie promovierte deutsche Physikerin Friederike Otto, die gerade dabei ist, in Oxford eine völlig neue Wissenschaft zu etablieren: Attribution Science, zu Deutsch: "Zuordnungswissenschaft". Dahinter verbirgt sich die völlig neuartige Möglichkeit, extreme Wetterereignisse wie Hurrikane, Hitzewellen und Starkregen endlich richtig zuzuordnen, d.h. wirklich erkennen zu können, ob die Extremwetter mit der globalen Erwärmung zusammenhängen oder nicht. Das sind wahrscheinlich ziemlich schlechte Nachrichten für alle Klimaleugner. Eine außergewöhnlich spannende neue Wissenschaft ist also gerade im Entstehen, und "ttt" hat eine der führenden Köpfe dieser neuen Wissenschaft, Friederike Otto, in Oxford besucht.

Graphic Story Telling / Von Donald Trump bis Bob Dylan - seine grafischen Illustrationen haben den israelischen Designer Noma Bar zu einem der gesuchtesten Grafiker weltweit gemacht. Seine so originelle wie spielerische Verwendung negativer Bildräume erschafft Bilder in Bildern - minimalistisch, witzig. Die Bedeutungsebenen überlagern sich, zur Freude und Überraschung des Betrachters. Die Geschichten stecken bei Noma Bar immer im Detail. Sein neuer Bildband "Graphic Story Telling" wirkt wie eine Retrospektive dieses äußerst kreativen Geistes.

Gregor Sailer - "The Potemkin Village" / Das neue Projekt des Fotografen Gregor Sailer zeigt die absurde Welt der Fakes, Kopien und Kulissen. Zum Beispiel: militärische Übungsstädte: leer stehende Häuser, Moscheen, in denen nie einer betet, Supermärkte ohne Waren - alles nur hingestellt, um zerschossen zu werden. Der Begriff des Potemkinschen Dorfes geht zurück auf eine Erzählung des russischen Feldmarschalls Reichsfürst Grigori Alexandrowitsch Potjomkin, die ironischerweise in unseren Sprachschatz eingesickert ist, aber keineswegs den historischen Gegebenheiten entspricht. Der Militärreformer und Günstling der Zarin Katharina der Großen soll vor deren Reise durch das neueroberte Krimgebiet 1787 entlang der Wegstrecke ganze Dörfer aus bemalten Kulissen errichtet haben lassen, um das wahre, heruntergekommene Gesicht der Region zu verbergen. In Wirklichkeit stammt diese Version wohl von Gegnern und Neidern Potjomkins am Hof. Nach Closed Cities zeigt Gregor Sailers neues Projekt aktuelle architektonische Erscheinungsformen, die von politischen, militärischen und wirtschaftlichen Motiven angetrieben werden: Gefechtsübungszentren in den USA und in Europa, detailgetreue Repliken europäischer Städte in China oder Fahrzeugtest-Städte in Schweden. Schließlich auch das klassische Potemkinsche Dorf in Russland, wo im Zuge eines Putin-Besuchs in Suzdal und eines Dreifach-Gipfels in der Stadt Ufa ganze Straßenzüge mit Aufklebern, Tapeten und Planen maskiert wurden, um leerstehende Gebäude mit einer vorgetäuschten Betriebsamkeit zu versehen.

Luis Trenker / Alois Franz Trenker wäre in diesen Tagen 125 Jahre alt geworden. Der Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller war lange Zeit Inbegriff des heldenhaft-dramatischen Bergsteigers. Für den Film entdeckt hat ihn Bergfilm-Legende Arnold Fanck in "Berg des Schicksals" 1921. Aus einem unbekannten Tiroler Bergführer wurde ein Star, Trenkers unglaubliche Karriere begann. Trenkers idealisierte Berg- und Heimatwelt wurde später gern genommen von der NS-Führung und Propaganda. Goebbels notierte über Trenkers "Der Rebell": "Spitzenleistung, Ein nationalistischer Aufbruch...Hitler ist Feuer und Fett." Berührungsängste mit dem NS-Regime schien Trenker keine zu haben. Auch wenn Trenker später in Ungnade fiel, darf man ihn getrost einen radikalen Opportunisten nennen, der es sich mit dem Regime nicht verderben wollte. Schon bald nach dem Krieg schien Trenker für die deutsche Öffentlichkeit keine problematische Figur mehr zu sein - jedenfalls nahm seine Beliebtheit stetig zu. Insbesondere durch die TV-Sendung "Luis Trenker erzählt", bei der das wirklich außergewöhnliche Talent Trenkers zur mündlichen Erzählung voll zum Tragen kam. Die Schoten und Münchhausiaden, die Trenker hier zum Besten gab, sind bis heute jedenfalls unglaublich sehenswert.

Wanda / Die erfolgreichste österreichische Band hat sich nach der Zuhälterin Wanda Kuchwalek benannt. Seit ihrem Debüt "Amore" im Oktober 2014 brechen Wanda alle Beliebtheitsrekorde, ihren Megahit "Bologna" kann so gut wie jeder Mitteleuropäer von 20 bis 60 Jahren mitsingen. Aber auch "Bussi Baby" oder "1,2,3,4" sind richtige Hits. 2015 nannte der Musikexpress sie die "vielleicht letzte wichtige Rock'n'Roll-Band unserer Generation". Zeit für ein Porträt - anlässlich der neuen Platte "Niente", die gerade erscheint.

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Redaktion: Franz Xaver Karl (BR)

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