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06.04.2017 – 21:00

Westfalen-Blatt

Westfalen-Blatt: zum Sonntagseinkauf

Bielefeld (ots)

Wenn an diesem Sonntag in Detmold mit »Rigoletto« eine der großen Verdi-Opern zur Aufführung kommt, dann ist das nicht nur für die Musiker, Sänger und den Regisseur, sondern auch für die Garderobiere, den Kartenverkäufer, den Busfahrer, der die Besucher zum Landestheater bringt, die Polizei und Feuerwehr, die sie beschützt, und den Journalisten, der darüber berichtet, ein Arbeitstag. Heim- und Pflegedienste, Kliniken, Hotels, Restaurants, Tankstellen und natürlich die Priester und Küster in den Kirchen kennen schon lange keinen freien Sonntag. Ausgerechnet der Handel soll davon ausgenommen bleiben. Dafür inszeniert die Gewerkschaft, die sich den Namen des großen italienischen Komponisten zugelegt hat, ein Drama nach dem anderen. Ein schräges Ladenschlussgesetz liefert ihr in NRW das Material. Angeblich geht es darum, den Sonntag als Familientag zu schützen. Einkaufen, so die Argumentation von Verdi & Co., könnten die Menschen an den anderen sechs Wochentagen. Das ist richtig. Sie können es sogar darüber hinaus auch am siebten Tag - im Internet. Verdi ist sich offenbar nicht im Klaren darüber, wen ihre Kampagne - um nichts anderes handelt es sich bei der gerichtlichen Klagewelle - unterstützt: die Amazons und Zalandos, die ihren Mitarbeitern teilweise nicht einmal den auch nicht sehr hohen Verkäuferlohn gönnen. Im Internet gibt es nämlich keine Ladenschlusszeit. Keiner kann den Couchsurfern verbieten, dass sie sich ihre Einkaufswünsche im Internet erfüllen. Doch warum soll man die Onliner, deren Transporter die Straßen verstopfen, noch fördern? Die Befürworter des Sonntagseinkaufs fordern kein Biotop für den Handel, sondern nur Waffengleichheit. Dafür gibt es gute Gründe. Wenn sich der Handel aus der City zurückzieht, weil es sich nicht mehr rentiert, ist das der Anfang. Die Gastronomie wird das zweite Opfer sein, Kultur das dritte. Will Verdi das? Die Gewerkschaft berücksichtigt nicht einmal die Interessen ihrer Mitglieder. In der Praxis haben die Händler eher das »Problem«, dass sie mehr Menschen am Sonntag beschäftigen könnten, als sie brauchen - so attraktiv sind die finanziellen Aufschläge für fünf Stunden Arbeit bei einem zusätzlichen Ausgleichstag in der Woche. Verdi aber besteht auf einem Prinzip - auf der Einhaltung einer gesetzlichen Bestimmung, die sich überlebt hat. Man muss sich vor Augen halten: Es geht um höchstens vier von 52 Sonntagen. Die Reaktion der Paderborner Kaufleute auf die Einsprüche war spontan und heftig. Zum Schutz der Märkte, die nicht unmittelbar im Zentrum liegen, werden alle verkaufsoffenen Sonntage abgesetzt - sogar zu Libori, sogar im Advent. Und Verdi legt, statt mal innezuhalten, gleich nach. Es scheint, als gäbe es nur eine Lösung: ein neues Gesetz, das die Zwangskoppelung an Großveranstaltungen aufhebt, ganz schnell nach der NRW-Wahl.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

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