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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Deutschen Bahn

Bielefeld (ots) - Defekte Klimaanlagen im Sommer. Eingefrorene Weichen im Winter. Notorische Unpünktlichkeit. Stellwerke, die veraltet sind oder ausfallen. Anschlusszüge, die nicht warten. Fahrtenanzeiger, die nicht funktionieren. Auskünfte, die allenfalls lückenhaft sind. Verzögerungen bei der Fahrtkostenerstattung. Verschlossene Waggontüren. Verstopfte Toiletten. Zu hohe Preise. Die immensen Schulden des Staatskonzerns. Die neuen Verluste. Es gibt viele Gründe, sich über die Deutsche Bahn so richtig aufzuregen. Und nur einen, sich wieder abzuregen: eine nervige Staufahrt im eigenen Auto. Die Situation der Bahn ist verfahren. Um das Angebot wirklich zu verbessern, müsste Bahnchef Rüdiger Grube viel Geld in die Hand nehmen. Das hat er nicht. Und das bekommt er von der Politik auch nicht. Selbst wenn der Konzern seine beiden Tochterunternehmen Arriva und Schenker vollständig verkaufen würde, könnte er allenfalls zehn Milliarden Euro erlösen; das ist nicht einmal die Hälfte der Schuldenlast, die auf der Deutschen Bahn lastet. Das Programm, das Konzernchef Rüdiger Grube gestern dem Aufsichtsrat vorgelegt hat, trägt den Titel »Zukunft Bahn«. Doch die Vorschläge, die darin gemacht werden, sind keinesfalls geeignet, eine Vision von der Bahn der Zukunft zu entwickeln. Stattdessen kleine Verbesserungen, nicht unwichtig, aber selbst zusammengenommen zu klein, um das schlechte Image der Bahn nachhaltig zu korrigieren. In dieses Konstrukt passt auch der aus dem Aufsichtsrat bekannt gewordene Vorschlag, Grubes Gehalt an die Pünktlichkeit der Züge zu binden. Die letzte echte Vision einer Zukunftsbahn stammte ausgerechnet von Hartmut Mehdorn. Der umstrittene Manager sah die Zukunft des Konzerns bekanntlich in der Privatisierung und einem Börsengang. Daraus wurde nichts. Aber an den Folgen des Sparprogramms, das Mehdorn der Deutschen Bahn aufzwang, leidet sie bis heute. Zukunft Bahn? Manche wären schon froh, wenn das Unternehmen wenigstens in der digitalen Gegenwart ankäme. Schaut man von Außen auf die Bahn, dann sorgt der Fernverkehr in der Regel für den größten Gesprächsstoff. Die Konkurrenz mit den neuen Fernbussen hat immerhin zwei Jahre Preisstabilität ermöglicht. Die Qualität hat er nicht verbessert. Beim Nahverkehr verliert die Bahn kontinuierliche Linien an die Konkurrenz. Die Fahrgäste sehen's gern, ist doch deren Service eher besser. Die größten Versäumnisse aber betreffen die Güterbahn. Dass sie von der immensen Zunahme des Transportverkehrs trotz der überlasteten Autobahnen so gar nicht profitieren kann, ja darüber hinaus noch Umsatz verliert, ist unverständlich. So verfahren die Situation ist: Hier braucht es wirklich eine Vision, die in der Lage ist, große Veränderungen anzustoßen.

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