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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum ADAC

Bielefeld (ots) - Wer hätte gedacht, dass der ADAC so viele Gegner hat? Ganz offensichtlich haben diverse Interessengruppen darauf gewartet, nicht nur am Lack des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs kratzen zu können. Was derzeit gegen den als Verein geführten Konzern läuft, ist nichts weniger als eine Kampagne. Erstaunlich an dem Vorgang ist, dass die Absichten von Parteien und Autoindustrie, die jetzt Kritik am ADAC üben, alles andere als identisch sind. Und: Was haben die Pkw-Maut und Rallye-Veranstaltungen mit den manipulierten Teilnehmerzahlen beim Wettbewerb »Das Lieblingsauto der Deutschen« zu tun? Es ist nicht auszuschließen, dass der gefeuerte Kommunikationschef und Chefredakteur der »ADAC-Motorwelt«, Michael Ramstetter, die Zahlen mit Wissen anderer verantwortlicher Personen geschönt hat. Das muss geklärt werden, sollte aber nicht als Anlass dienen, den ADAC als Dienstleister für Autofahrer komplett in Frage zu stellen. Denn das Angebot stimmt: vom Pannenservice bis zum Verkauf von ausländischen Autobahn-Vignetten. Da muss schon ein Politiker vom Schlage eines Horst Seehofer her, um die frisierten Zahlen bei der ADAC-Leserumfrage in Zusammenhang mit den vom Autoclub hochgerechneten - und aus Sicht des CSU-Chefs zu geringen - Einnahmen der Pkw-Maut zu stellen. Der Generalverdacht: Wer einmal Zahlen manipuliert, der macht das immer. 19 Millionen ADAC-Mitglieder sind 19 Millionen Wähler. Kein Wunder, dass die Politik gegenüber dieser mächtigen Autofahrer-Lobby oft gekuscht hat. Mit der Mitgliederzahl im Rücken konnte der ADAC-Präsident auftreten wie ein Neben-Verkehrsminister. In Diskussionen über Tempolimits, Autobahnbaustellen und Biosprit war seine Meinung von erheblichem Einfluss. Bislang. Der ADAC muss sich vielleicht nicht neu erfinden, aber er muss seine Struktur verändern. Präsident Peter Meyer (64) und Geschäftsführer Karl Obermair (50) erkennen gezwungenermaßen die Notwendigkeit einer Reform des Konstrukts aus Verein und Konzern. Wollen sie sich auf ihren Posten halten, müssen sie schnell für mehr Offenheit sorgen, strittige Fragen (Versteuerung der Mitgliedsbeiträge) klären und Vorwürfe ausräumen. So fallen kundigen Lesern der »Motorwelt« zuweilen arg positive Testberichte auf, die wie bezahlte Werbetexte wirken. Auch wenn das Vertrauen in den ADAC derzeit leidet, so scheint ein Austritt doch einigermaßen übertrieben. Und Politiker, die jetzt in sozialen Netzwerken Fotos ihres Kündigungsschreibens verbreiten, sind einfach nur Opportunisten. Die Bastion mag zu bröckeln beginnen, doch der Autoclub hat die Chance, eine Art Stiftung Warentest für alles zu bleiben, was mit Mobilität und Autotourismus zu tun hat. Deutschland ist Autoland, und das Auto wird das Lieblingskind der Deutschen bleiben. Ganz unabhängig von vermeintlichen Lieblingsautos.

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