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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Facebook

Bielefeld (ots) - Facebook, das größte soziale Netzwerk der Welt, verbindet mehr als 500 Millionen Menschen. Im Durchschnitt hat jeder von ihnen 130 »Freunde«: So heißen Kontakte im Facebook-Jargon. Die globale Gemeinschaft wächst rasant, obwohl Datenschützer warnen: Nutzerdaten sind bei Facebook & Co. nicht sicher. Und nicht nur die: Sogar die Kontakte von Nichtmitgliedern können mit einem simplen Trick über Facebook ausgespäht werden. Datenschützer wie auch Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) halten das für einen Rechtsverstoß. Facebook reagiert auf solche Vorwürfe mit Schweigen. Doch die meisten Nutzer scheren sich offensichtlich wenig um den Datenschutz: Die Fotos der jüngsten Urlaubsreise, der neuen Freundin, Schnappschüsse vom Betriebsfest - ohne Hemmungen wird online gestellt, was interessieren könnte. Es wird damit für Freunde, Freunde von Freunden und für alle 500 Millionen Facebook-Mitglieder sichtbar. Der nächste Schritt: »Places« (Orte) nennt Facebook einen Dienst für Handynutzer, der den eigenen Standort sichtbar macht und zeigt, welche »Freunde« in der Nähe sind. Während sich die einen streiten, ob der Suchmaschinen-Gigant Google die Fassaden ihrer Häuser für Streetview fotografieren darf, öffnen die anderen bereitwillig ihre Türen und bitten die Netzgemeinde förmlich darum, an ihrem Privatleben teilzuhaben. Offensichtlich gibt es ein Bedürfnis, sich mitzuteilen, am Leben anderer teilzuhaben. Wer Erlebnisse teilt, erzeugt das wohlige Gefühl von Nähe. Der eine oder andere mag es in unserer Mediengesellschaft, die viele traditionelle Gemeinschaften aufgebrochen hat, vermissen. Wer das Netzwerk bewusst nutzt, Facebook-Freunde von richtigen zu unterscheiden weiß und nicht vergisst, dass alles, was er dem Netzwerk anvertraut, zumindest teilweise öffentlich ist - wer kennt schon alle Freunde von Freunden? -, kann profitieren. Andere verlieren: auf jeden Fall Privatsphäre, möglicherweise sogar den Arbeitsplatz (denn Firmengeheimnisse gehören nicht auf Facebook) oder echte Freunde, die sich und ihre kleinen Geheimnisse unverhofft vor einem Millionenpublikum ausgebreitet sehen. Facebook ist ein Medium, das zu gebrauchen man lernen muss. Einigen »digital Natives«, Angehörigen jener Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, verschafft die Vernetzung über Facebook, Xing & Co. vielleicht einen Vorteil im globalen Wettbewerb. Die meisten allerdings produzieren nur Kaffeeklatsch. Diejenigen, die außen vor bleiben, weil sie es so wollen, betrachten das Treiben im Netz skeptisch und vermuten mehr dahinter, als sich bei genauem Hinsehen findet. Diejenigen, die »drin« sind, sollten dieses Misstrauen ernst nehmen: Indem sie bei aller Begeisterung für das Medium Datenschutz fordern, erst nachdenken und dann online stellen sowie die Privatsphäre derer achten, die »draußen« bleiben wollen.

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