Mit Geduld über die Landstraße
Der ADAC erklärt, welche Gefahren beim Überholen lauern
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Mit Geduld über die Landstraße
Der ADAC erklärt, welche Gefahren beim Überholen lauern
Wer auf der Landstraße unterwegs ist, kennt das: vor einem liegt die große weite Straße und nur ein langsames Fahrzeug wie ein LKW oder Traktor, das den Weg versperrt. Doch „nur schnell mal Überholen“ führt jedes Jahr zu tragischen Unfällen. Enge Kurven, wenig Sicht und schmale Fahrbahnen sind Risiken, die vor dem Überholvorgang mit Bedacht eingeschätzt werden sollten. Der ADAC Hessen-Thüringen erklärt, worauf Autofahrer achten sollten, um sicher ans Ziel zu kommen.
Risiko Landstraße
Während sich die meisten Autofahrer auf Landstraßen sicher fühlen, zeigt die Unfallstatistik ein anders Bild. 2024 kamen bei Zusammenstößen entgegenkommender Fahrzeuge auf Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen außerorts 525 Menschen in Deutschland ums Leben, dazu kamen über 14.000 Verletzte. Eine der häufigsten Unfallursachen ist falsches Überholen – die benötigte Zeit und Strecke für den Überholvorgang werden dabei häufig unterschätzt. Besonders auf Landstraßen ist die Gefahr groß: In Hessen kamen 55 Prozent aller Verkehrstoten auf Landstraßen ums Leben, obwohl Landstraßen nur etwa ein Drittel des gesamten Verkehrsaufkommens abdecken.
Warum Überholen so riskant ist
Lukas Berkel, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen erklärt: „Um einen Lkw oder Traktor sicher zu überholen, brauchen Autofahrer häufig eine Strecke von mehreren hundert Metern Länge. Kommt auf dieser plötzlich ein Fahrzeug entgegen, wird es gefährlich. Das überholende Fahrzeug hat nur ein kurzes Zeitfenster, um passend zu reagieren. Ist das entgegenkommende Fahrzeug zu schnell unterwegs, steigt das Risiko.“
Ein Beispiel: Fährt ein Pkw mit 100 km/h hinter einem Lkw mit 80 km/h und möchte diesen überholen, beträgt der Geschwindigkeitsunterschied lediglich 20 km/h. Um einen 12 Meter langen Lkw samt Sicherheitsabstand von jeweils 50 Metern vor und nach dem Fahrzeug zu überholen, braucht der Autofahrer fast 600 Meter Strecke – auf der Gegenfahrbahn. Auf dieser Strecke können plötzlich auftauchende Verkehrsteilnehmer schnell zum Hindernis werden.
Tipps zum sicheren Überholen
- Beim Überholvorgang sollte die eigene Geschwindigkeit deutlich höher sein als die des zu Überholenden.
- Die zulässige Höchstgeschwindigkeit darf während des Überholens nicht überschritten werden.
- Vor dem Ausscheren sollten Autofahrer mit einem Schulterblick prüfen, ob von hinten alles frei ist und der nachfolgende Verkehr nicht gefährdet wird.
- Autofahrer müssen vor dem Ausscheren und vor dem Wiedereinordnen blinken, um auf den Überholvorgang hinzuweisen.
- Vorsicht vor Einmündungen und Kreuzungen – Verkehrsteilnehmer rechnen nicht mit überholenden Fahrzeugen auf der Gegenfahrbahn.
- Im Zweifel: besser hinter einem langsamen Fahrzeug herfahren – der Zeitverlust ist meist minimal.
Wo überholen an Landstraßen verboten ist
Überholverbote auf Landstraßen können explizit durch Verkehrszeichen angezeigt und aufgehoben werden. An besonders gefährlichen Abschnitten, wie etwa kurvigen Strecken oder direkt vor Kuppen, stehen allerdings häufig keine Verkehrszeichen zum Überholverbot. Was auf den ersten Blick merkwürdig scheint, erklärt sich aus der eindeutigen Gefahrenlage: Die Strecke kann nicht überblickt werden – daher darf hier nicht überholt werden. Das Risiko für einen Überholvorgang müssen Autofahrer jedes Mal neu einschätzen.
Die Witterungsbedingungen sind bei einem Überholvorgang ebenfalls entscheidend. Bei eingeschränkter Sicht durch Nebel, Schneefall oder Regen sollte nie überholt werden. Die Gefahr, entgegenkommende Fahrzeuge zu übersehen, ist zu hoch.
Im Zweifel nicht überholen
Der ADAC appelliert an alle Autofahrerinnen und Autofahrer: Überholen ist das riskanteste Fahrmanöver auf Landstraßen. Wer seine eigene Unsicherheit spürt, sollte bewusst auf Überholen verzichten.
Wichtig: Beim Überholen von Radfahrern und Fußgängern müssen Autofahrer außerorts generell zwei Meter Mindestabstand halten.
Pressekontakt
Maike Willeitner
T +49 69 66 07 85 05
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V.i.S.d.P.: Oliver Reidegeld, Pressesprecher oliver.reidegeld @hth.adac.de
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