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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Gipfel und historische Dimensionen Krieg und Frieden Knut Pries, Brüssel

Bielefeld (ots) - Es ist ehrfurchtgebietend, wie dieser Tage mächtige historische Kulissen sichtbar werden: vor einem Vierteljahrhundert der Zerfall des Sowjetimperiums mit ersten freien Wahlen in Polen, die Landung der Alliierten an der Küste der Normandie vor 70 Jahren, demnächst der Beginn des Ersten Weltkriegs vor einem Jahrhundert. Natürlich, Jahrestage sind Zufälle. Anlass zu einer Rückbesinnung bieten sie dennoch. Erstens sollten sie das Bewusstsein dafür schärfen, dass sich drei Generationen nach dem Weltenbrand die Frage von Krieg und Frieden in Europa nicht erledigt hat. Zweitens machen sie plausibel, warum die EU, die dabei ist, an Unzufriedenheit mit sich selbst schier zu ersticken, vielen Außenstehenden immer noch als die Verheißung eines besseren und sichereren Lebens erscheint. Und drittens vermitteln sie einen Eindruck von der historischen Doppelgestalt des Riesenlands der Russen, aus dem bis heute keine lupenreine Demokratie geworden ist, das aber unter größten Opfern den Demokratien im Westen beim Überleben geholfen hat. Das ist kein Grund zur Nachsicht mit Putin. Es ist aber ein Grund, allen Respekt zu zollen, denen der Sieg über den Nazi-Wahnsinn zu verdanken ist - selbst wenn sie heute von einer autoritären Figur wie Putin repräsentiert werden. Ein Brüsseler Gipfel, von dem er ausgeschlossen war, eine Gedenkfeier in der Normandie, auf der er dabei ist - es ist am russischen Präsidenten, richtige Schlüsse zu ziehen.

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