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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Anschlag in Moskau Gewalt und Gegengewalt BERNHARD HÄNEL

Bielefeld (ots) - Der Reflex ist immer der Gleiche und wird sich wohl auch diesmal bestätigen: Mit dem schrecklichen Anschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo dürfte sich der Terror ins Gedächtnis nicht nur der Russen zurückgebombt haben. Erst vor zehn Monaten hatten Selbstmordattentäterinnen bei einem Doppelanschlag in der Moskauer Metro 40 Menschen in den Tod gerissen. Doch nicht allein die Ähnlichkeit des Vorgehens weist bei der Suche nach Tätern und Hintermännern Richtung Kaukasus. Es sind nicht nur Islamistenführer, die dem Kreml eine blutige Besatzungspolitik im Nordkaukasus vorwerfen. Es sind Alltagserfahrungen in einer geschundenen Region, die es für Extremisten leicht machen, stets neue Menschen zu rekrutieren, die bereit sind zum Äußersten zu gehen. Moskau hat kein Mittel gefunden, Hoffnung auf eine bessere Zukunft im russischen Staatenverbund gefunden. Es hat sie auch nicht gesucht. Entsprechend groß ist die Verzweiflung. Die Moskauer Führung, ob Präsident Medwedjew oder Ministerpräsident Putin, haben de facto nie einen Dialog gesucht, um die Lage in Tschetschenien oder Dagestan zu entschärfen. Statt dessen wurde der Unterdrückungsapparat stetig ausgebaut und selbst die gutwilligsten und kooperationsbereiten Teile der Bevölkerung zu einer Art Staatsfeind erklärt. Mehr noch: Maßnahmen und Gesetze zur Bekämpfung des Extremismus, die mit der Bedrohung aus dem Norden des Kaukasus begründet wurden, wurden und werden auch gegen friedliche Oppositionelle angewendet. Das Demokratiedefizit in Russland ist ebenso unerträglich geworden, wie die Unterdrückung auf dem Nordkaukasus. Diesen Zusammenhang wagt inzwischen niemand mehr zu benennen. Die Opposition ist mundtot gemacht. Das stärkt die Kräfte, die auf Gewalt nur eine Antwort haben: neue Gewalt.

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