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Neue Westfälische (Bielefeld): Dispozinsen Zu hoch ANDREA FRÜHAUF

Bielefeld (ots) - Kunden sollten ihr Girokonto nur kurzzeitig, maximal zwei Wochen, überziehen, um sich teure Dispozinsen zu ersparen, raten selbst Banker. Aber vielen Verbrauchern, die von einer teuren Handwerkerrechnung überrascht werden oder plötzlich eine kaputte Waschmaschine ersetzen müssen, bleibt gar keine andere Wahl. Welches Geldinstitut gewährt denn Kredite für nur ein bis zwei Monate? Banken und Sparkassen bieten nur günstigere Kredite bei längeren Laufzeiten. Die Kritik von Verbraucherschützern und Grünen ist berechtigt: Während die Europäische Zentralbank in der Finanzkrise den Leitzins bereits im September auf magere 1,0 Prozent senkte - nach immerhin 4,25 Prozent im Oktober 2008 - geben Banken die für sie günstigeren Konditionen zur Geldbeschaffung nicht annähernd an ihre Kunden weiter und halten die Dispozinsen hoch. Auch wenn ein Bielefelder Geldinstitut betont, dass es die Dispozinsen in diesem Zeitraum von 13,75 auf 12,75 Prozent senkte, bleibt die Differenz eklatant. Selbst der von Banken für ihre Refinanzierungskosten angeführte dreimonatige Euribor-Zinssatz fiel seit Anfang 2008 von 4,7 auf gestern 0,879 Prozent. Es ist für Verbraucher nur schwer nachvollziehbar, warum ihre Guthabenzinsen weit mehr sanken als ihre Dispozinsen. Banken brauchen künftig wegen der strengeren EU-Regeln mehr Eigenkapital und damit mehr Gewinne, könnte man zu ihrer Verteidigung sagen. Mit Dispozinsen lässt sich eben noch richtig Kasse machen. Aber gute Gründe sprechen dagegen: Wer sein Girokonto überzieht, ist in der Regel darauf angewiesen und kann auf die Schnelle kaum auf andere Finanzierungsformen ausweichen. Banken profitieren von solcher prekären Notlage. Auch die Commerzbank, für die der Steuerzahler einspringen musste, bildet da keine rühmliche Ausnahme.

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