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Thorsten Schäfer-Gümbel kritisiert Zeitverträge für Briefzusteller: "Die Post verwendet Regeln missbräuchlich"

Köln (ots) - Dass Post-Mitarbeiter zum Teil über Jahre mit Zeitverträgen beschäftigt werden, hat SPD-Politiker Thorsten Schäfer-Gümbel live bei stern TV scharf kritisiert: "Die Post verwendet Regeln missbräuchlich", sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD. Denn: "Es scheint so zu sein, dass es bestimmte Vertragskonzeptionen gibt, die nichts anderes sind als der Versuch, nicht mehr mögliche Befristungen fortzusetzen, indem man einen Befristungsgrund vorspielt."

Um eine gerechte Ordnung auf dem Arbeitsmarkt herzustellen, "müssen Befristungen ohne Sachgrund verschwinden. Und bei solchen mit Sachgrund müssen wir genauer hinschauen", sagte Schäfer-Gümbel im Gespräch mit Steffen Hallaschka. Und: "Wir brauchen eine Einstellungsveränderung im Management von verschiedensten Unternehmen. Die Sozialverantwortung scheint immer mehr zurückzugehen - und das ist das größere Problem als bestehende Regeln."

Andrea Kocsis von der Gewerkschaft Verdi sieht dagegen die Politik in der Verantwortung: "Die Unternehmen müssen an die Leine genommen werden. Und dafür brauchen wir die Politik. Denn wir erleben, dass es immer Gründe für Befristungen gibt", sagte sie bei stern TV. Die Mitarbeiter, die einen befristeten Vertrag nach dem anderen erhalten, seien keine Einzelfälle. "Und das ist ein Zeichen dafür, dass das Gesetz das nicht regelt und Arbeitgeber es ausnutzen."

Hunderte Betroffene melden sich bei stern TV

stern TV hatte zuvor über drei Mitarbeiterinnen der Deutschen Post berichtet, bei denen bereits seit Jahren ein befristeter Arbeitsvertag auf den anderen folgt. So wie hunderte andere Betroffene hatten sie sich nach dem stern TV-Beitrag über die Briefträgerin Anja Helffenstein in der Redaktion gemeldet - und über die enormen Belastungen berichtet, die die ständigen Befristungen im Arbeitsalltag haben: Aus Angst, ihren Job zu verlieren, machen sie oft Überstunden und gehen krank zur Arbeit.

Anja Helffenstein hatte ihre Geschichte vor zwei Wochen bei stern TV zum ersten Mal erzählt: In zwölf Jahren bei der Post bekam sie 88 Zeitverträge, aber nie eine Festanstellung. Als sie krank wurde gab es keinen weiteren Vertrag.

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