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Sonnenbrillen: Was die Augen zuverlässig schützt

Berlin (ots)

In den Sommermonaten wird die Sonnenbrille zum unverzichtbaren Schutz für die Augen. Der TÜV-Verband erklärt, worauf Verbraucher:innen beim Kauf achten sollten - von UV- und Blendschutz bis zur richtigen Filterkategorie, Passform und Qualität.

Für viele Menschen gehört die Sonnenbrille im Sommer vor allem zum Outfit. Tatsächlich ist sie aber weit mehr als ein modisches Accessoire. Sie schützt die Augen vor schädlicher UV-Strahlung und kann helfen, langfristige Schäden an Hornhaut, Linse und Netzhaut zu vermeiden. Doch ob günstiges Urlaubsmitbringsel oder Markenmodell, nicht jede Sonnenbrille schützt die Augen zuverlässig. "Viele Verbraucher achten beim Kauf zuerst auf das Design oder die Tönung der Gläser. Für den Schutz der Augen sind allerdings andere Eigenschaften entscheidend", sagt André Siegl, Experte für Arbeits- und Gesundheitsschutz beim TÜV-Verband. "Eine gute Sonnenbrille muss schädliche UV-Strahlung zuverlässig filtern, eine zum Verwendungsbereich passende Tönung mit der richtigen Filterkategorie haben und optisch einwandfreie Gläser besitzen, die zu den individuellen Seheigenschaften der Trägerin oder des Trägers passen. Erst dann sorgt sie für einen wirksamen Schutz." Der TÜV-Verband gibt Tipps für den sicheren Kauf einer Sonnenbrille.

UV-Schutz ist wichtiger als dunkle Gläser

Ein weit verbreiteter Irrtum: Je dunkler die Gläser, desto besser der Schutz. Tatsächlich sagt die Tönung einer Sonnenbrille aber nichts über ihren UV-Schutz aus. Sie bestimmt nur, wie stark das sichtbare Licht gedämpft wird und schützt damit vor Blendung. Ob die Augen vor schädlicher ultravioletter Strahlung geschützt sind, hängt dagegen vom UV-Filter der Gläser ab. UV-Strahlung ist für das menschliche Auge unsichtbar und kann Bindehaut und Augenlinse schädigen. Langfristig steigt unter anderem das Risiko für Augenerkrankungen wie Netzhautschäden, Entzündungen oder Linsentrübungen wie den Grauen Star. Besonders hoch ist diese Belastung am Wasser, im Gebirge oder auf schneebedeckten Flächen, da die UV-Strahlung dort zusätzlich reflektiert wird. Polarisierende Sonnenbrillen mit sogenannten Polfiltern reduzieren störende Lichtreflexionen, etwa auf nassen Fahrbahnen oder Wasseroberflächen. Sie eignen sich deshalb besonders für den Straßenverkehr.

Fehlt ein wirksamer UV-Filter, können stark getönte Sonnenbrillen sogar problematisch sein. Durch die dunklen Gläser erweitern sich die Pupillen, sodass mehr schädliche UV-Strahlung ins Auge gelangen kann. Käufer sollten deshalb auf die Kennzeichnung 'UV400' oder '100 Prozent UV-Schutz' achten. Sie weist darauf hin, dass die Gläser UV-Strahlung bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern filtern. "Die CE-Kennzeichnung bestätigt zudem, dass die Sonnenbrille die geltenden europäischen Anforderungen für den allgemeinen Gebrauch als persönliche Schutzausrüstung (PSA) nach EU-Verordnung 2016/425 der Kategorie I und idealerweise durch den Zusatz ISO 12311 und ISO 12312-1 erfüllt", sagt Siegl.

Blendschutz und Filterkategorien richtig wählen

Doch selbst eine Sonnenbrille mit gutem UV-Schutz ist nicht automatisch für jede Situation geeignet. Je nach Sonneneinstrahlung kommt es auch auf den richtigen Blendschutz an. Er beschreibt, wie stark die Gläser sichtbares Licht filtern und wird nach ISO 12312-1 in fünf Filterkategorien von 0 bis 4 eingeteilt, wobei Kategorie 0 nur als modisches Accessoire verwendet werden sollte. Die jeweilige Kategorie ist in der Regel auf der Innenseite des Brillenbügels oder in der Produktinformation als "Cat. 0" bis "Cat. 4" angegeben. Für sonnige Tage in Mitteleuropa genügt in der Regel eine Sonnenbrille der Filterkategorie 2. Wer sich am Meer, auf dem Wasser oder in südlichen Urlaubsregionen aufhält, ist meistens mit Kategorie 3 gut beraten. Im Hochgebirge oder auf Gletschern schützen stark getönte Gläser der Kategorie 4 vor intensiver Sonneneinstrahlung und den starken Reflexionen von Schnee und Eis.

Im Straßenverkehr gelten besondere Anforderungen. Sonnenbrillen der Filterkategorie 4 sind zum Auto- oder Radfahren ungeeignet, da sie zu wenig Licht durchlassen. Für eine gute Sicht empfehlen sich in der Regel Modelle der Kategorien 2 oder 3. Siegl: "Gerade bei tief stehender Sonne kann eine geeignete Sonnenbrille die Blendung deutlich reduzieren und für eine bessere Sicht sorgen. Autofahrer sollten ihre Geschwindigkeit trotzdem den Sichtverhältnissen anpassen und auf eine saubere Windschutzscheibe achten. Verschmutzungen oder Schlieren streuen das Licht zusätzlich und verstärken den Blendeffekt." Auch die Glasfarbe ist für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr entscheidend. Graue und braune Gläser geben Farben weitgehend naturgetreu wieder und eignen sich deshalb besonders gut. Farbige Gläser bieten zwar ebenfalls einen zuverlässigen UV-Schutz, können aber die Farbwahrnehmung und den Kontrast verändern. Dadurch lassen sich Ampelsignale oder andere Warnhinweise unter Umständen schlechter erkennen.

Auf Gläser, Fassung und Passform achten

Ob beim Straßenhändler im Urlaub oder beim heimischen Optiker: Preis oder Markenname allein sind kein verlässlicher Hinweis auf die Qualität einer Sonnenbrille. Trotz dessen lässt sich eine hochwertige Verarbeitung oft schon vor dem Kauf erkennen. Dafür lohnt sich ein genauer Blick auf die Gläser, Fassung, Passform und auf eine vorhandene und plausible Kennzeichnung. "Mit einem einfachen Qualitätscheck lässt sich bereits beim Kauf viel erkennen", sagt Siegl. "Verbraucher sollten die Brille aufsetzen und durch die Gläser eine gerade Kante oder Linie betrachten. Erscheint diese verzerrt, unscharf oder entstehen Doppelbilder, spricht das für eine mangelhafte optische Qualität. Blasen, Schlieren oder Einschlüsse im Glas sind weitere Warnsignale. Kunststoffgläser sollten außerdem bei leichtem Fingerdruck nicht nachgeben." Auch im Alltag ist es ratsam, den Zustand der Gläser im Blick zu behalten. Stark verkratzte Sonnenbrillen sollten ausgetauscht werden. Der UV-Schutz bleibt zwar im Regelfall erhalten, da er in der Beschichtung oder im Material der Gläser integriert ist. Kratzer können allerdings Blendungen verstärken und die Sicht verschlechtern. Sonnenbrillen sollten zudem nicht über längere Zeit in einem aufgeheizten Auto liegen bleiben. Hohe Temperaturen können Beschichtungen beschädigen und Kunststoffgläser verformen. Empfehlenswert ist daher die Aufbewahrung an einem kühlen, geschützten Ort.

Zudem kann die Passform der Brille den Schutz erhöhen. Sie sollte die Augen möglichst vollständig abdecken und eng am Gesicht anliegen, damit UV-Strahlung und Blendlicht nicht seitlich ins Auge gelangen. Große Gläser und ausreichend breite Bügel sind dabei empfehlenswert. Das gilt vor allem für Kinder, deren Augen empfindlicher auf UV-Strahlung reagieren als die von Erwachsenen. Eltern sollten deshalb auf eine gut sitzende Sonnenbrille mit zuverlässigem UV-Schutz achten, die die Augen möglichst vollständig abdeckt.

Genauso wichtig ist eine hochwertige und mechanisch sichere Verarbeitung. Die Fassung sollte stabil und ohne Druck sitzen. Scharniere - eine typische Schwachstelle bei Brillen - dürfen kein Spiel aufweisen, müssen jedoch leitgängig sein. Die Verschraubung sollte fest sitzen und sich bei Bedarf nachziehen oder austauschen lassen. Bei günstigen Modellen ist das oft nicht möglich. Die verwendeten Kunststoffe sollten hochwertig und nicht spröde sein. Andernfalls können Fassung oder Gläser bei Belastungen oder einem Sturz leichter brechen oder splittern und das Verletzungsrisiko erhöhen. Spezielle Sportbrillen sind resistenter gegen Bruch und daher zu empfehlen. Vollständige Herstellerangaben und Hinweise zur Pflege und Reinigung sind weitere Merkmale eines seriösen Produkts. Eine sichere Sonnenbrille muss dabei nicht teuer sein. Auch preisgünstige Modelle können die Augen zuverlässig schützen, wenn sie die geltenden Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen erfüllen. Wer beim Kauf unsicher ist oder eine bereits vorhandene Sonnenbrille überprüfen lassen möchte, kann beim heimischen Optiker in der Regel die Brille auf Passform, Zentrierung, optische Qualität, Beschichtungen und oft auch auf UV-Schutz und Kennzeichnung prüfen lassen.

TÜV-Verband-Checkliste: Sicherheit beim Sonnenbrillen-Kauf

  • Auf zuverlässigen UV-Schutz achten: Bevorzugen Sie Sonnenbrillen mit der Kennzeichnung "UV400" oder "100 Prozent UV-Schutz".
  • Die passende Filterkategorie wählen: Kategorie 2 eignet sich für den Alltag, Kategorie 3 für Strand und Wasser. Kategorie 4 ist im Straßenverkehr ungeeignet.
  • Gläser und Passform prüfen: Die Gläser sollten frei von Verzerrungen, Blasen oder Schlieren sein. Die Sonnenbrille sollte die Augen möglichst vollständig abdecken und eng am Gesicht anliegen.
  • Auf die Verarbeitung achten: Fassung und Scharniere sollten stabil und möglichst wertig verarbeitet, Herstellerangaben vollständig vorhanden und Kennzeichnung an der Brille vorhanden sein.
  • Preis und Markenname sind kein Qualitätsmerkmal: Auch günstigere Sonnenbrillen können zuverlässig schützen. Im Zweifel den UV-Schutz prüfen lassen.

Über den TÜV-Verband: Als TÜV-Verband e.V. vertreten wir die politischen Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördern den fachlichen Austausch unserer Mitglieder. Wir setzen uns für die technische und digitale Sicherheit sowie die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen ein. Grundlage dafür sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und qualifizierte Weiterbildung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der technischen Sicherheit zu wahren, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen und unsere Lebensgrundlagen zu erhalten. Dafür sind wir im regelmäßigen Austausch mit Politik, Behörden, Medien, Unternehmen und Verbraucher:innen.

Pressekontakt:

Maurice Shahd
Pressesprecher
TÜV-Verband e. V.
Friedrichstraße 136 | 10117 Berlin
030 760095-320, presse@tuev-verband.de
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