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BLOGPOST Bild-PR im Social Web: Finger weg von (zu viel) Photoshop

Was geht gar nicht bei Bild-PR im Social Web? Klare Antwort: Zu viel Retusche. Das sagt Natanja Marija Grün. Sie kümmert sich seit 2016 um die Themen Social Media und Influencer Marketing bei Ikea Deutschland und ist in der Welt der Instagram Gemeinde zuhause. In diesem Jahr gehört sie zur Jury unseres PR-Bild Award. In TREIBSTOFF erklärt die Wahlfrankfurterin, wann sie ein Foto im Social Web überzeugt und wann nicht. Und verrät ihr persönliches Foto-Herzensprojekt.

TREIBSTOFF: Was fasziniert Sie an digitaler Fotografie?

GRÜN: Nach wie vor ist es die Fotografie in ihrer Vielseitigkeit, mit all ihren Spielarten, die mich fasziniert. Einerseits schwebe ich ja in der Romantik der analogen Fotografie und bewundere, wie ein Foto dabei wohl überlegt sein und die Einstellung passen muss - ein Schnappschuss, der sitzt, war hier eher den Profis vorbehalten. Das hat die digitale Fotografie verändert. Und wenn ich ehrlich bin, so sehr mich der Gedanke an meine analoge Kiste fasziniert, hole ich nicht mal mehr meine digitale DSLR aus dem Schrank. Das ist irgendwie ein Sinnbild für die Entwicklung: Heute hat jeder seine Kamera in der Hosentasche, ausgestattet mit Softwares, die den Großteil der Arbeit übernehmen und mittlerweile wirklich hochwertige Fotos ermöglichen - und damit den Einstieg in die Fotografie für jedermann.

TREIBSTOFF: Haben Sie ein Foto-Herzensprojekt?

GRÜN: Ja, die @igersfrankfurt! Seit rund vier Jahren gibt es die Instagramers Frankfurt, eine von zahlreichen lokalen Igers-Communities weltweit, die talentierte und interessierte Fotografie-Fans online und offline zusammen bringt.

Ich fühle mich sehr wohl auf Instagram und liebe den Community-Gedanken dahinter, den Instagram selbst fördert und der sich auch bis ins Offline zieht. Als ich zum Beispiel vor einiger Zeit frisch nach Frankfurt gezogen bin, habe ich über Instagram direkt Gleichgesinnte gefunden, die mir den Einstieg in die neue Stadt erleichtert haben. Einige darunter gehören heute zu meinen engsten Freunden, andere sind für mich zu Vorbildern geworden, die meinen beruflichen Werdegang bis heute beeinflussen. Mir liegt also die lokale Instagram-Gemeinschaft sehr am Herzen und seit rund zwei Jahren unterstütze ich die @igersfrankfurt mit Community-Management und Insta-Meets. Natürlich beschränkt sich das nicht nur auf Frankfurt, Fotografie verbindet, und das weltweit. Es ist mittlerweile vollkommen normal geworden, sich in fremden Städten und Ländern mit lokalen Instagramern zu verbinden und zu treffen, um Fotospots fernab von den Touristengegenden zu erkunden.

TREIBSTOFF: In Zeiten von permanenter Bildüberflutung im Netz: Was ist für Sie ein herausragendes PR-Bild?

GRÜN: "Herausragend" ist tatsächlich das Schlagwort. Das ist nichts Neues, aber in erster Linie, muss ein Bild heute mehr denn je in der täglichen Informationsflut nicht nur wahrgenommen werden, sondern herausstechen. Schwer, wenn der Nutzer ertrinkt in Aussagen, Inhalten und Eindrücken. Dabei spielt natürlich auch das virale Momentum eine große Rolle, das viel mit Glück und/oder passendem Seeding zu tun hat.

Das gilt natürlich nicht nur für PR-Bilder. Im Marketing ist das nicht anders. Ein PR-Bild sollte Emotionen wecken und zum Nachdenken anregen, sei es durch Provokation, Inspiration, oder einfach ins Herz treffen. Aber die Menschen sollen sich darüber austauschen wollen. Das geht natürlich, wenn das Bild eine Geschichte erzählt, ohne die Markenbedeutung zu verlieren. Stark ist natürlich auch ein Bild, das ohne Bildunterschrift wirkt. Zumindest auf PR-Bilder bezogen, bei allem anderen gilt für mich: Es gibt kaum etwas Lustigeres im Social Web als Bilder, deren Kontext durch einfachen Bildtext auseinander gerissen werden. Stichwort Memes. Und für den Fall, dass ein Bild im Feed doch schnell überscrollt wird, sollte die Botschaft so einfach und direkt verständlich sein wie möglich.

TREIBSTOFF: Worauf achten Sie speziell bei Social-Media-Fotos?

GRÜN: Vieles in dem bereits erwähnten trifft natürlich auch auf Social-Media-Fotos zu. Natürlich kommt es sehr auf die Plattformen und die Aussage an beziehungsweise was man auslösen möchte, um zu entscheiden, ob ein einfaches - oder qualitatives - User-Bild vielleicht die bessere Wahl statt dem Hochglanzfoto aus dem Firmen-Pool ist. Oder kann ich meine Geschichte mit authentischen Smartphone-Bildern über Instagram/Facebook-Stories mehr erlebbar machen? Bei Social-Media-Bildern können auch mal der lockere Schnappschuss und seine Transparente mehr bewirken als Qualität und gestellte Szenen.

TREIBSTOFF: Welche Fehler sollte man bei PR-Bildern im Social Web unbedingt vermeiden?

GRÜN: Erstens: Zu viel Retusche. Bilder sollten in erster Linie Glaubwürdigkeit vermitteln. In Zeiten von Photoshop und Co. ist der Betrachter auch schon mal übersättigt von Fotobearbeitung und wird sich immer bewusster, wie leicht Bilder manipuliert werden können. Hier schlägt Authentizität alles. Natürlich müssen sich hierfür Bilder auch immer im richtigen Kontext wiederfinden - das kann sonst schnell böse Wellen schlagen. Als Unternehmen darf man nie vergessen: Es gibt auch die negative Viralität. Ach, und bitte lasst die klassischen Stockfotos sein (schmunzelt). Zweitens: Was für Marketing gilt, gilt vor allem für PR: nicht zu werblich. Wir sind doch alle übersättigt von stupider Werbung und wollen mehr von den Inhalten, die etwas in uns auslösen.

TREIBSTOFF: Was sind die auffälligsten Trends in der aktuellen Fotografie?

GRÜN: Die Frage kann jemand anders sicher besser beantworten. Aber für mich ist es die Smartphone-Fotografie oder der Amateur-Fotograf. Wie bereits gesagt, mit Kameras in der Mehrheit der Hosentaschen sind es auf der einen Seite authentische Inhalte. Fotos und Videos können jede Situation aufnehmen und Facebook, Snapchat, Instagram und Co. machen es den Nutzern einfach, diese in Echtzeit mit anderen zu teilen. Auf der anderen Seite gibt es den Gegenzug der Kreativen, die auf Plattformen wie Instagram extrem hochwertigen Content kreieren und ihre eigenen Themen, Regeln und Bildsprachen aufbauen. Das mag für einige eingesessene Fotografen eine Herausforderung sein, für Marken und Unternehmen kann es allerdings eine ungemeine Chance sein, um mit authentischem Content zu arbeiten. Es ist zwar ein Marketingbeispiel, aber wie toll war die "shot on i-Phone"-Kampagne von Apple, die mit riesigen UGC-Fotos die Bahnhöfe und Flughäfen plakatiert haben? Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

TREIBSTOFF: Was wünschen Sie sich als neues Jury-Mitglied für den diesjährigen PR-Bild Award?

GRÜN: Überraschende Bilder, die den Mut zum Anderssein widerspiegeln. Das Kennenlernen von einerseits jungen Nachwuchstalenten als auch arrivierten Fotografen. Einen herausfordernden Austausch und viel Inspiration.

Machen Sie mit! Noch bis zum 15. Juni können Sie Ihre besten PR-Bilder des letzten Jahres einreichen. Wir sind gespannt auf Ihre Bilder!

https://www.pr-bild-award.de/

Dieser Beitrag ist ein Original-Blogpost aus TREIBSTOFF:

https://www.newsaktuell.de/academy/bild-pr-in-social-media

Was ist TREIBSTOFF?

TREIBSTOFF ist das Blog der dpa-Tochter news aktuell. Es geht dort um die Themen Kommunikation, Pressearbeit und Social Media. Und manchmal auch um news aktuell selbst. Welche Trends, welche Apps, welche Themen bewegen Kommunikationsfachleute heute? Wie sieht unser Arbeitstag aus? Was ist wichtig für die Karriere? Best Practice, Interviews und Gastbeiträge warten auf PR-Profis und Pressesprecher. Ein Mal pro Quartal gibt es TREIBSTOFF auch als gedrucktes Magazin.


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