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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zum Confed Cup, Autor: Heinz Gläser

Regensburg (ots) - Das Urteil ist gesprochen. Es fällt vernichtend aus. Eine sportliche Missgeburt sei dieser fragwürdige Wettstreit der Konföderationen des Fußball-Weltverbandes Fifa. Der Confed Cup komme zur Unzeit, er sei ein Muster ohne Wert, ein von der Fifa ersonnenes Event ohne Aussagekraft - und überhaupt überflüssig wie ein Kropf. Auch Reinhard Grindel, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), prognostiziert das baldige Ableben des umstrittenen Wettbewerbs. Er sieht in der chronischen Terminhatz des modernen Profifußballs schlicht kein Zeitfenster mehr für den Confed Cup. Nun geriert sich ja Deutschland seit einigen Jahren gerne als moralische Instanz im Weltsport und hebt schnell den Zeigefinger, wenn es gilt, tatsächliche oder vermeintliche Missstände anzuprangern. Dabei scheitert es selbst an der Aufgabe, seine dunkle Doping-Vergangenheit in Ost und West auszuleuchten. Ganz zu schweigen vom bis dato misslungenen Versuch, mehr Licht in der Affäre um die Vergabe der WM 2006 zu bringen. Im Fall des Konföderationen-Pokals, der an diesem Samstag als Probelauf für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Russland beginnt, lohnt ein Blick zurück in den Sommer 2005. Damals wehte ein erster Hauch von Sommermärchen durchs Land. Der Confed Cup in Deutschland schürte die Vorfreude aufs Heim-Championat, er füllte die Stadien, weckte neue Begeisterung für die DFB-Auswahl unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann - und legte, wie bei einem Probelauf höchst erwünscht, nebenbei strukturelle Mängel offen. Beim Endspiel ergoss sich das Wasser in Sturzbächen auf den Rasen, weil in der Frankfurter Arena ein Dachschaden zu beklagen war. Provokant gefragt: Mag sich der deutsche Fußball für den Confed Cup nur dann erwärmen, wenn er vor seiner eigenen Haustür gespielt wird? Das miserable Image der ungeliebten Veranstaltung in Russland führte auch Regie bei der Personalauswahl. Bundestrainer Joachim Löw ließ das Gros seiner gestressten Weltmeister gleich zu Hause. Das ist halbwegs nachvollziehbar, doch ansonsten laviert der DFB personell. Er enthielt seiner U21, die fast zeitgleich in Polen um den EM-Titel spielt, wichtige Kräfte vor. Timo Werner und Julian Brandt spielen bei Jogi Löw vor, während U21-Coach Stefan Kuntz etwa auf die A-Elf-Kandidaten Serge Gnabry und Max Meyer bauen darf. Das ist ein fauler Kompromiss, der weder in Russland noch in Polen Erfolg verspricht. Dabei hatte die goldene Generation mit Mesut Özil, Manuel Neuer & Co. 2009 vorgeführt, wie wegweisend ein Triumph auf Juniorenebene sein kann. Diese Chance verspielt der DFB nunmehr in Polen leichtfertig. Konsequent wäre es gewesen, den Confed Cup als notwendiges Übel zu betrachten und die Anstrengungen ganz auf die U21 zu konzentrieren. Denn jenseits gängiger Vorurteile gebricht es der "Mini-WM" tatsächlich an sportlicher Relevanz. Der Confed Cup ist ein Geschöpf der Fifa, geboren aus dem Drang heraus, neue Einnahmequellen zu erschließen. Ähnlich verhält es sich mit der obskuren Klub-WM, deren Daseinsberechtigung ebenfalls zumindest zweifelhaft ist. Der Weltverband neidet dem kleinen europäischen Bruder den Goldesel Champions League, weil er selbst außer seiner WM kaum lukrative Wettbewerbe im Portfolio hat. Die Uefa hat derweil mit der 2018/19 startenden "Nations League" der Nationalmannschaften bereits ein weiteres Ereignis ersonnen, das die Fußballwelt nun wirklich nicht braucht. Im Wettlauf um das unsinnigste Turnier schenken sich beide Seiten nichts. Es obliegt uns Fans, diesem Unfug ein Ende zu bereiten. Unsere schärfste Waffe ist dabei die Fernbedienung.

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