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14.04.2011 – 18:38

Mittelbayerische Zeitung

Mittelbayerische Zeitung: Zur Verhaftung des Künstlers und Regimekritikers Ai Weiwei

Regensburg (ots)

Den Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei hat seine Verhaftung nicht überrascht. In einem kurz zuvor geführten Interview sagte er, dass er sie täglich, ja stündlich erwarte. So berechenbar brutal ist die chinesische Führung. Der Westen aber tut entsetzt. Und duckt sich wieder einmal vor der Tatze des Drachen, anstatt zu beweisen, dass es ihm mit der Freiheit der Kunst und der Achtung der Menschenrechte Ernst ist. Eine klatschende Ohrfeige ist Ai Weiweis Verhaftung für die deutsche Delegation mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle an der Spitze, die nur zwei Tage vorher die deutsche Monumentalausstellung "Kunst der Aufklärung" in Peking eröffnet hatte. Das höfliche Schweigen zu den damit einhergehenden Restriktionen muss auf das chinesische Regime geradezu ermutigend gewirkt haben. Dem Autor Tilman Spengler, der Westerwelle begleiten sollte, wurde die Einreise verweigert. Weil Spengler eine Lobrede auf den im Gefängnis sitzenden Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo gehalten hat, ist er "kein Freund des chinesischen Volkes". Westerwelle reiste ohne ihn. Das Rahmenprogramm der Ausstellung wurde zensiert. Ai Weiwei, einer der bekanntesten Künstler des Landes, wurde zu den Salon-Gesprächen unter dem Titel "Aufklärung im Dialog" nicht zugelassen. Den "Meilenstein in den deutsch-chinesischen Beziehungen", wie Westerwelle die Ausstellung nannte, hätte man schon vor der Eröffnung als Stolperstein erkennen können. Die Ohrfeige kam nicht aus dem Hinterhalt. Die Ausstellung soll China die europäische Epoche nahebringen, die den Grundstein für die modernen Demokratien legte. Der Zeitpunkt könnte nicht schlechter gewählt sein. In China hat es seit Jahresbeginn wieder mehr Festnahmen gegeben. Die Regierung ist nervös angesichts der Volksaufstände in der arabischen Welt. Die Behörden haben Internetseiten gestört oder gesperrt. Schlüsselwörter wie "Jasmin" werden gefiltert. Wer seine Stimme für die Demokratie erhebt, wird durch Hausarrest und Handyabschaltung zum Schweigen gebracht. Der Ausstellungsort ist nicht weniger belastet. Das von deutschen Architekten umgebaute gigantische Museum liegt neben dem Platz des Himmlischen Friedens, wo 1989 die Demokratiebewegung blutig niedergewalzt wurde. Im eitlen Wunsch nach pompöser Inszenierung haben Politiker und Leihgeber über all das großzügig hinweggesehen. Die Ausstellung ist durch Ai Weiweis - fadenscheinig begründete - Verhaftung zur Farce geworden. Die Diskussion in Deutschland ist es ebenso. Architekt Meinhard von Gerkan meint sagen zu müssen, dass es "in der Geschichte Chinas noch nie so viel Freiheit für das Individuum gegeben hat". Einer der Leihgeber, der Chef der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, fragt öffentlich, warum man überhaupt so ein Gewese um den "Popstar" Ai Weiwei mache. Es gebe Hunderte andere, um die sich niemand schere. Letzteres stimmt, leider. Doch Ai Weiwei ist nicht deshalb Galionsfigur, weil er sich gut vermarktet, sondern weil er immer wieder den Mund aufmacht. Er hat weltweit Anhänger, weil er Mut beweist. Das kann man von der Politik nicht sagen. Zehn Tage hat die EU gebraucht, um sich ein besorgtes Statement abzuringen. Mehr wird man nicht hören, denn letztlich will es sich kein Land mit der (Wirtschafts-)Macht China verscherzen. Vernunft ist eine aufklärerische Tugend und eine Eigenschaft, die Ai Weiwei gerade an den Deutschen schätzt. Doch unterwirft sich die Vernunft dem Diktat ökonomischer Zwänge, ist sie bloß Vorstufe zu einer anderen Form der Barbarei. Die Ausstellung in Peking kann vorzeitig beendet werden. Die subtile politische Botschaft, die laut Westerwelle darin steckt, hat möglicherweise nicht einmal der Westen verstanden.

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