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Steuererklärung mit einem Klick: Fluch oder Segen?

München (ots)

Seit dem 31. März ist eine Anmeldung für die Steuererklärung per Klick erstmals flächendeckend und einheitlich möglich. Die neu entwickelte App der Finanzbehörden mit dem Namen "MeinELSTER+" bietet bundesweit 11,5 Mio. Steuerpflichtigen die Gelegenheit, ihre Steuererklärung zur Mitte des Jahres mit nur einem Klick vom Mobilphone einzureichen. Das ist für Nutzer eine bequeme und schnelle Art, sich der Steuererklärung zu entledigen. Die Finanzverwaltung profitiert ebenfalls: weniger Aufwand, schnellere Bearbeitung und womöglich geringere Rückzahlungen. "Doch die Interessen der Finanzbehörden und der Steuerzahler klaffen manchmal weit auseinander", erklärt Tobias Gerauer, Vorstand und Steuerberater der Lohnsteuerhilfe Bayern.

Der Anwenderkreis für "MeinELSTER+" ist vorerst beschränkt. Die Funktion steht aktuell nur ledigen und kinderlosen Arbeitnehmenden und Altersrentnern ohne zusätzliche Einkünfte zur Verfügung. Von den rund 24 Mio. ELSTER-Nutzern kommen damit knapp die Hälfte der Steuerzahlenden bereits für die Anwendung infrage. Eine Ausweitung auf andere Zielgruppen und eine damit einhergehende Funktionserweiterung sind für die Zukunft geplant.

Wie funktioniert die Steuererklärung mit einem Klick?

Wer sich heute oder in den nächsten Wochen für die Funktion "MeinELSTER+" freischalten lässt, verkürzt seinen zeitlichen Aufwand für die Steuererklärung enorm. Denn anhand der dem Finanzamt vorliegenden Daten erstellt die App automatisch einen Vorschlag für die Steuererklärung samt einer Vorschau auf den Steuerbescheid. Ab dem 1. Juli 2026 können Nutzer dann die vorausgefüllte Steuererklärung für das Jahr 2025 bestätigen, korrigieren oder ergänzen. Wird das Einverständnis erteilt, ist die Steuererklärung in weniger als einer Sekunde vom Tisch. Die Verantwortung für die Richtigkeit der Daten liegt allerdings bei den Steuerpflichtigen selbst.

Was bringt die Steuererklärung mit einem Klick?

Während die fortschreitende Digitalisierung und die stärkere Nutzung bereits vorhandener Daten an sich positiv zu beurteilen sind, weist "MeinELSTER+" noch Lücken auf. Die dem Finanzamt vorliegenden Daten sind zum einen sehr überschaubar und beschränken sich auf Meldungen von Arbeitgeber, der Rentenversicherung, Krankenkasse und Banken. Die digitalen Daten beinhalten also nur die Einnahmen, die dem Staat Geld bringen. Elektronische Rechnungen von Firmen zu Ausgaben, welche die Steuersituation der Nutzer verbessern können, bleiben außen vor. So riskiert man, steuermindernde Punkte schlichtweg zu vergessen.

Zudem ist bei einer vorschnellen Zustimmung zur Steuererklärung eine nachträgliche Änderung nur noch schwer möglich. Fallen erst im Nachhinein absetzbare Ausgaben auf, so können diese nur noch über einen Einspruch gegen den Steuerbescheid innerhalb der gesetzlichen Frist berücksichtigt werden. Die Verwendung der App ist kostenlos, jedoch sind durch die Steuer im Schnellverfahren auch keine großartigen Rückerstattungen zu erwarten. Wer vom Finanzamt eine maximale Rückerstattung erhalten möchte, muss sich weiterhin die Mühe machen, Belege zu sammeln und sie ins richtige Formular hochzuladen.

Wem nutzt die Steuererklärung mit einem Klick?

Der Traum vieler Steuerzahler, eine vereinfachte Steuererklärung mit dem Smartphone im Ein-Klick-Verfahren zu erledigen, ist jetzt wahr geworden. Für Steuerzahlende mit wenig Potenzial zum Absetzen mag dies ein Segen sein. Die finanziellen Einbußen sind in solchen Fällen überschaubar. Im Gegenzug übernimmt die Technik die oft als lästig empfundene Arbeit und erlöst von dieser Bürde. Zudem könnte das Ein-Klick-Angebot Personen motivieren, eine Steuererklärung einzureichen, die nicht dazu verpflichtet sind und bisher darauf verzichtet haben.

Umfangreichen oder komplexen Steuerfällen wird die einfache App des Finanzamts jedoch nicht gerecht. Wer über die gesetzlichen Pauschalen hinaus individuelle Ausgaben für Beruf, Krankheit, Handwerkerleistungen oder Spenden absetzen kann, sollte die Chance weiterhin wahrnehmen, Geld vom Staat zurückzubekommen. "Die App ist ein Einstieg, kann eine steuerliche Beratung in naher Zukunft aber nicht ersetzen", so die Lohnsteuerhilfe Bayern. Denn erst im persönlichen Gespräch decken Lohnsteuerhilfen und Steuerberatungen Spielräume auf, die das Steuerergebnis und damit die finanzielle Situation der Kunden oder Mitglieder verbessern.

www.lohi.de/steuertipps

Kontakt für Rückfragen:

Nicole Janisch, Pressereferentin
Tel: 09402 5040147 / E-Mail: presse@lohi.de
Werner-von-Siemens-Str. 5, 93128 Regenstauf
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