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PM Vier Jahre Naturschutz zeigen Wirkung: Pflanzenvielfalt in der Biotoplandschaft am Flüthewehr nimmt deutlich zu

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Vier Jahre Naturschutz zeigen Wirkung: Pflanzenvielfalt in der Biotoplandschaft am Flüthewehr nimmt deutlich zu

Spaziergänger können die Veränderung schon seit Längerem beobachten – jetzt ist sie auch anhand von Vegetationsdaten messbar: In der Biotoplandschaft am Flüthewehr südlich des Göttinger Kiessees hat sich die Pflanzenvielfalt innerhalb von vier Jahren deutlich erhöht. Auf acht dauerhaft untersuchten Flächen hat sich die durchschnittliche Zahl der Pflanzenarten seit 2022 mehr als verdoppelt.

Ein aktuelles Vegetations-Monitoring der Heinz Sielmann Stiftung zeigt, wie erfolgreich sich die naturnahe Entwicklung in der Biotoplandschaft am südlichen Göttinger Stadtrand vollzieht. Während dort vor vier Jahren durchschnittlich 12,8 Pflanzenarten auf jeweils 16 Quadratmetern nachgewiesen wurden, sind es heute 29,1 Arten – mehr als doppelt so viele. Die Gesamtzahl der erfassten Pflanzenarten auf den Untersuchungsflächen stieg von 48 auf 112 Arten. Allein 22 typische Arten des extensiven Grünlands konnten nachgewiesen werden – ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich die Fläche zu einem ökologisch wertvollen Lebensraum entwickelt.

„Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie schnell sich Lebensräume erholen können, wenn man der Natur Raum und Zeit gibt und die richtigen Rahmenbedingungen schafft“, sagt Dr. Jörg Müller, Referent für Ökologisches Monitoring der Heinz Sielmann Stiftung. „Auf ehemals intensiv genutzten Flächen entsteht heute Schritt für Schritt ein struktur- und artenreiches Grünland mit blütenreichen Wiesen, Feuchtbereichen und Gehölzsäumen“, stellt Müller fest.

Strukturreiche Landschaft sorgt für Artenvielfalt

Davon profitieren längst nicht nur Pflanzen, sondern zahlreiche Tierarten. So wurden im Gebiet bereits verschiedene Amphibien wie Erdkröte, Grasfrosch und Kleiner Teichmolch nachgewiesen. Auch Vogelarten wie Rebhuhn, Neuntöter, Dorngrasmücke, Reiherente, Rohrammer und Eisvogel nutzen die abwechslungsreiche Landschaft als Brut-, Nahrungs- oder Rückzugsraum.

Besonders erfreulich ist laut Müller auch das Vorkommen von Säugetieren wie Wildkatze, Fischotter, Biber, Hermelin und Iltis, die auf strukturreiche Landschaften angewiesen sind. Hinzu kommen inzwischen 23 Libellenarten, die hier innerhalb der letzten drei Jahre an den neu geschaffenen Kleingewässern und den Ufern der Leine festgestellt wurden.

Zahlreiche Tierarten erstmals dokumentiert

Bei den aktuellen Erfassungen im Mai 2026 konnten darüber hinaus zahlreiche weitere Tierarten erstmals für das Gebiet dokumentiert werden. Dazu gehören unter anderem der Irrende Dungkäfer, der Distelfalter, das Grüne Heupferd, die Gemeine Dornschrecke oder der Kleine Hopfen-Wurzelbohrer.

Jeder neue Nachweis bestätigt uns, dass wir hier ein Refugium für unterschiedlichste Pflanzen- und Tiergruppen geschaffen haben. Die Biotoplandschaft entwickelt sich aus unserer Sicht zu einem echten Vorzeigeprojekt“, sagt Müller.

Extensive Beweidung als Motor der Artenvielfalt

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Um die Biotoplandschaft langfristig zu erhalten und zu pflegen, setzen die Stadt Göttingen als Flächeneigentümerin und die Heinz Sielmann Stiftung auf eine extensive Beweidung mit robusten Zwerg-Zebus. Das selektive Fressverhalten der kleinen Buckelrinder sorgt dafür, dass selbst der wehrhafte Distelbewuchs effektiv zurückgedrängt wird und seltene, weniger konkurrenzstarke Pflanzenarten neuen Lebensraum finden. So entstehen unterschiedlich hohe Vegetationsbereiche, die zahlreichen anderen Pflanzen- und Tierarten optimale Bedingungen bieten.

„Eine Beweidung ist notwendig, da am Flüthewehr eine Offenlandschaft erhalten werden soll“, erklärt Henrik Dzeia, Flächenpächter und Halter der Zebus: „Ohne Pflege würden sich Büsche und Bäume ausbreiten. Die Zebus beugen dem vor und sorgen dafür, dass keine gleichförmige Rasenfläche entsteht, sondern ein Mosaik aus offenen Bodenstellen, feuchten und trockenen Bereichen mit unterschiedlich hohem Bewuchs. Genau solche Strukturen sind besonders wertvoll für die Artenvielfalt.“

Vom Acker zur Biotoplandschaft

Die 16 Hektar große Biotoplandschaft am Flüthewehr entstand auf ehemals intensiv genutzten Ackerflächen beidseits der Leine. Das auf Initiative des Göttinger Life-Science-Unternehmens Sartorius entstandene Projekt wurde gemeinsam mit der Stadt Göttingen und der Heinz Sielmann Stiftung umgesetzt und im Juli 2022 offiziell eröffnet. Sartorius finanzierte die Gestaltung und die Pflege der Flächen. Die Stadt Göttingen stellte die Flächen zur Verfügung und übernahm dauerhaft die Unterhaltung des Zauns sowie anfallende Reparaturmaßnahmen an den baulichen Anlagen. Die Heinz Sielmann Stiftung koordinierte die naturschutzfachlichen Maßnahmen.

Dafür wurden unter anderem Flutrinnen und Mulden, mehrere temporäre Flachwassertümpel sowie ein dauerhaftes Stillgewässer angelegt. Während ein Teil der Flächen heute mit Zwerg-Zebus extensiv beweidet und als strukturreiches Offenland erhalten wird, bleiben Bereiche entlang der Leine von der Beweidung ausgenommen. Dort darf sich langfristig ein naturnaher Auwald entwickeln. Das aktuelle Monitoring zeigt nun, wie deutlich sich insbesondere die Vegetation bereits in den ersten vier Jahren verändert hat.

Natur erleben und Entwicklungen beobachten

Die Entwicklung der Biotoplandschaft lässt sich auch unmittelbar vor Ort verfolgen. Wanderwege, Informationstafeln, ein Holzsteg und eine Beobachtungsplattform machen das Gebiet auch zu einem attraktiven Ausflugsziel und ermöglichen Einblicke in die unterschiedlichen Lebensräume, ohne empfindliche Bereiche betreten zu müssen.

Wer noch mehr über die Entwicklung des Gebietes und die Rolle der Zwergzebus als tierische Landschaftspfleger erfahren möchte, kann sich bei Henrik Dzeia für eine Besucherführung in der Biotoplandschaft anmelden.

Weitere Informationen zur Biotoplandschaft am Flüthewehr finden Sie auf der Webseite der Heinz Sielmann Stiftung.

PRESSEFOTOS

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Christoph Mischke
Freier Redakteur
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
i.A. der Heinz Sielmann Stiftung

Tel.: +49 (0) 160 970 58738

E-Mail: christophmischke@t-online.de

Web: www.sielmann-stiftung.de