PM Manche Vögel mögen’s kalt: Diese fünf gefiederten Wintergäste kennt kaum jemand
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Manche Vögel mögen’s kalt: Diese fünf gefiederten Wintergäste kennt kaum jemand
Während viele unserer Brutvögel in der kalten Jahreszeit ans Mittelmeer und nach Afrika ziehen, kommen andere Arten aus dem hohen Norden zu uns. Die Heinz Sielmann Stiftung stellt fünf besondere Vögel vor, die hierzulande ausschließlich jetzt im Winter auftreten und kaum jemand kennt. Mindestens einen davon hat aber jeder schon einmal gehört.
Ein „warmer Süden“ ist je nach Perspektive relativ: Für so manche Vogelart, die in Skandinavien oder Sibirien brütet, bietet unser Winterwetter optimale Bedingungen – ihr „warmer Süden“ sind unsere Winterlandschaften. „Diese Arten können mit kalten Temperaturen besonders gut umgehen und finden hier zu dieser Jahreszeit mehr Nahrung als in ihren nordischen Brutgebieten“, sagt Dr. Heiko Schumacher, Leiter des Geschäftsbereichs Biodiversität bei der Heinz Sielmann Stiftung. Relativ bekannte Wintergäste sind etwa Seidenschwanz, Singschwan oder Blässgans. Doch stellen sie nur einen Teil jener Arten dar, die sich jetzt beobachten lassen.
Hasenfüßiger Wintergast: Der Raufußbussard
Auf den ersten Blick könnte man den Raufußbussard (Buteo lagopus) mit dem bei uns ganzjährig weit verbreiteten Mäusebussard verwechseln: In Gestalt und Gefiederfarbe ähneln sich beide sehr. Der Raufußbussard fliegt jedoch ausschließlich im Winter aus Skandinavien zu uns. „Der helle Kopf in Kombination mit dem dunklen Bauch machen ihn dann eindeutig erkennbar“, sagt Schumacher. Ein weiteres wichtiges Merkmal sind die befiederten Füße – ein natürlicher Kälteschutz. „Rau“ leitet sich aus dem Altdeutschen ab und bedeutet „haarig“. Auch der wissenschaftliche Name des Raufußbussards spielt darauf an: „lagopus“ heißt so viel wie „Hasenfuß“.
Wie andere Greifvögel ist auch der Raufußbussard auf kleine Säugetiere angewiesen, die er nun auf der offenen Schneedecke jagt. Die haben sich zwar oft zur Winterruhe zurückgezogen: „Trotzdem finden die Vögel hier jetzt mehr Beute, als sie in ihren Brutgebieten hätten“, sagt Schumacher.
Popstar und Wolfsgeheul: Der Eistaucher
Gleich zwei Faktoren sorgen dafür, dass der Eistaucher (Gavia immer) bei uns kaum beobachtet wird. Generell hält er sich nur sehr selten in unseren Breiten auf und jede Sichtung ist damit ein echter Glücksfall. Auch seine Lebensweise macht das Auffinden bei winterlichen Bedingungen schwer: „Man steht dann bei eisigen Temperaturen an einem Gewässer, der Wind weht beinahe das Spektiv um – und dann taucht der Vogel auch noch regelmäßig ab“, sagt Schumacher.
Immerhin, ein Trost: Wenn man ihn schon nicht sieht, dann hat man den Vogel mit Sicherheit schon einmal gehört. Ruf und Gesang des Eistauchers werden regelmäßig in der Popmusik eingesetzt, zum Beispiel bei Michael Jacksons „Thriller“, bei „Attention“ von Doja Cat oder im Dancefloor-Hit „Sueño Latino“. Mystisch und unheimlich klingt sein Ruf, weshalb Eistaucher-Sounds manchmal sogar in Filmen genutzt werden, um eine entsprechende Stimmung zu erzeugen.
Kleiner Bruder: Der Zwergschwan
Den eleganten Höckerschwan kennt jedes Kind. Seltener kommt bei uns der Singschwan vor, dessen Bestände sich im Winter durch Gäste aus dem hohen Norden mehren. Man kann die Art an ihrem gelben Schnabel unterscheiden. Weniger bekannt ist dagegen der Zwergschwan (Cygnus columbianus): Er wandert ausschließlich in der kalten Jahreszeit aus Sibirien zu uns. Viele der Exemplare bleiben in der nördlichen Landeshälfte, doch mit Glück kann er selbst noch am Bodensee gesehen werden. Mit seinem weißen Gefieder und dem gelb-schwarzen Schnabel mutet er wie ein Singschwan an.
Auffällig ist er jedoch durch seine namensgebende Größe: Er ist etwa 20 Zentimeter kleiner als die bei uns sonst häufigeren Schwäne. „Wenn man jetzt Gruppen von Schwänen auf den kahlen Äckern sieht, lohnt es sich, das Fernglas zu zücken“, sagt Schumacher. „Hier können sich Zwergschwäne untergemischt haben.“
Echter Winterfan: Die Schneeammer
Die Heimat der spatzengroßen Schneeammer (Plectrophenax nivalis) liegt in arktischen Gefilden, nur in den Wintermonaten kommt sie zu uns – allerdings selten südlicher als in die Küstenregionen. „Dort kann man sie dann in Gruppen von mehreren Tieren sehen“, sagt Schumacher. „Sie tippelt unruhig über Salzwiesen und Promenaden, spätestens beim Hochfliegen blitzt ihr helles Gefieder auf.“
Ihren Namen trägt die Schneeammer aufgrund des eleganten Gefieders, das die Männchen zur Balzzeit im Frühjahr tragen: Dann sind sie schneeweiß, nur Flügel, Schwanz und Füße sind schwarz. Während sie bei uns sind, tragen die Vögel dagegen ein helles, sandfarbenes Federkleid. Ab März, wenn hierzulande der Frühling Einzug hält, zieht die Schneeammer zurück Richtung Norden. Hier öffnet sich nun stellenweise die dichte Schneedecke, sodass die Vögel trotz der anhaltenden Kälte wieder ausreichend Nahrung finden.
Ausnahme von der Regel: Die Kurzschnabelgans
Ein Fall für echte Experten ist die Kurzschnabelgans (Anser brachyrhynchus). Sie gelangt im Winter aus Skandinavien zu uns und ist dann in Norddeutschland anzutreffen. Auf den ersten Blick ähnelt sie ihren graugefärbten und bei uns häufigen Artverwandten: der Graugans, der Blässgans und besonders der Saatgans. Wichtige Unterscheidungsmerkmale sind der runde und dunklere Kopf, die rosafarbenen Beine und natürlich der namensgebende kürzere Schnabel.
„Im Winter kommt es oft vor, dass sich graue Gänse gleich welcher Art in Fluggemeinschaften zusammenfinden“, sagt Schumacher. „In dieser Zeit herrscht unter ihnen keine Konkurrenz um Brutplätze, sodass sie von einer großen Gruppe sogar profitieren.“ Wer genau hinschaut, kann in einem Gänsetrupp also eventuell auch Kurzschnabelgänse erspähen.
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Caroline Ring Freie Redakteurin
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