IW-Gutachten: Internationale Studierende stärken Arbeitsmarkt und Wirtschaft in Deutschland
IW-Gutachten
Internationale Studierende stärken Arbeitsmarkt und Wirtschaft in Deutschland
Ein neues Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) liefert auf Basis des Mikrozensus neue Zahlen zum möglichen Verbleib internationaler Studierender in Deutschland und ihrem volkswirtschaftlichen Beitrag. Nach den IW-Berechnungen bleibt rund ein Drittel der internationalen Studienanfängerinnen und -anfänger bis zur Rente in Deutschland. Damit erwirtschaftet jede Kohorte internationaler Studierender im Laufe des Erwerbslebens einen Überschuss für die öffentliche Hand von über 23 Milliarden Euro.
Bonn, 08.09.2026
„Das aktuelle IW-Gutachten zeigt erneut, welch wichtige Rolle internationale Studierende und Promovierende für die deutsche Wirtschaft spielen. Viele von ihnen bleiben langfristig in Deutschland, zahlen bereits nach zwei Jahren Berufstätigkeit mehr ins Gemeinwesen ein, als die Bundesrepublik in sie investiert hat, und tragen zur Fachkräftesicherung und wirtschaftlichen Entwicklung bei“, sagte DAAD-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee. „Zugleich ist klar: Wer internationale Talente für Deutschland gewinnen will, muss attraktive Lebens- und Studienbedingungen schaffen und mit einer gelebten Willkommenskultur dazu beitragen, dass der Einstieg in Studium, Gesellschaft und Arbeitsmarkt gut gelingt."
Hoher Verbleib internationaler Studierender in Deutschland
Laut IW-Berechnungen stehen 45 Prozent eines internationalen Studienanfängerjahrgangs nach erfolgreichem Studienabschluss dem deutschen Arbeitsmarkt als qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung. Jeder Dritte, etwa 34 Prozent, bleibt zudem bis zur Rente im Land und leistet einen langfristigen Beitrag zur Fachkräftesicherung und Wirtschaftsentwicklung.
Das IW berechnete den Verbleib internationaler Absolventinnen und Absolventen in Deutschland bis zur Rente erstmals auf Basis der detaillierten Angaben des deutschen Mikrozensus. Bisherige internationale Untersuchungen, etwa der OECD, kommen zu ähnlichen Ergebnissen, beruhen allerdings auf anderen Daten.
Investitionen in internationale Studierende zahlen sich schnell aus
Auf Basis der detaillierten Verbleibanalyse berechnete das IW zudem den volkswirtschaftlichen und fiskalischen Effekt internationaler Studierender und Promovierender. Für die knapp 82.000 internationalen Studierenden mit Abschlussabsicht, die 2023 ihr Studium aufnahmen, ergibt sich eine rechnerische Wertschöpfung von etwa 127 Milliarden Euro über ihr gesamtes Erwerbsleben hinweg. Dabei entsteht langfristig ein Überschuss für die öffentlichen Haushalte von 23,1 Milliarden Euro.
Bemerkenswert ist zudem der schnelle Rückfluss der staatlichen Investitionen: Laut den neuen IW-Berechnungen auf Mikrozensus-Basis übersteigen die von internationalen Absolventinnen und Absolventen gezahlten Steuern und Sozialabgaben bereits zwei Jahre nach Studienabschluss die bis dahin erhaltenen staatlichen Leistungen, einschließlich der Kosten für die Studienplätze.
Damit liegt der nun detaillierte berechnete Überschuss im oberen Bereich der Szenarien, die das IW im Jahr 2025 aufgestellt hatte. Damals ging das Institut im mittleren Szenario von 15,5 Milliarden Euro Überschuss pro internationalem Studienanfängerjahrgang bei einem Verbleib von 40 Prozent nach dem Studium und 20 Prozent bis zur Rente oder 26 Milliarden Euro bei einem Verbleib von 50 Prozent nach dem Studium und 37,5 Prozent bis zur Rente aus.
Erfolgreicher Übergang in den Arbeitsmarkt bleibt entscheidend
Das Gutachten empfiehlt daher eine konsequente Nutzung des Potenzials internationaler Studierender für die deutsche Wirtschaft. Voraussetzung dafür sind – neben einer stabilen Wirtschaftsentwicklung in Deutschland – attraktive Studienangebote, ein hoher Studienerfolg internationaler Studierender und eine möglichst schnelle Integration in den Arbeitsmarkt.
DAAD-Förderungen für Hochschulen und herausragende internationale Studierende
Der DAAD unterstützt seit 2024 mit der vom Bundesforschungsministerium finanzierten „Campus-Initiative internationale Fachkräfte“ die deutschen Hochschulen dabei, internationale Studierende für ein Studium in Deutschland zu gewinnen, sie während ihres Studiums bestmöglich zu begleiten und gezielt auf den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Zudem vergibt der DAAD aus Mitteln des Auswärtigen Amtes Stipendien für herausragende internationale Studierende und verbessert über das STIBET-Programm die Betreuungsmöglichkeiten für internationale Studierende und Doktoranden an deutschen Hochschulen.
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Hintergrund
Die neue IW-Studie knüpft an das 2025 veröffentlichte Gutachten „Volkswirtschaftliche Effekte der Zuwanderung über die Hochschulen“ an und ergänzt dieses um eine Analyse des Verbleibs internationaler Studierender und der fiskalischen Effekte für die deutsche Wirtschaft auf Grundlage des Mikrozensus. Während die IW-Berechnungen aus dem Jahr 2025 auf drei Szenarien zum Verbleib basierten, ermöglicht die neue Auswertung eine präzisere Bestimmung des tatsächlichen Verbleibs internationaler Studierender sowie ihrer langfristigen Bedeutung für die deutsche Wirtschaft.
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Weitere Informationen
- IW-Gutachten zur Ermittlung und Analyse des Verbleibs internationaler Studierender
- Interview mit Prof. Dr. Axel Plünnecke, Leiter Themencluster Bildung, Innovation, Migration am IW, zum neuen Gutachten
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Leiterin des Referats Strategieentwicklung und Hochschulpolitik
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