"nd.DieWoche": Frauen - selbst schuld? Kommentar zur Verdienstlücke zwischen den Geschlechtern
Berlin (ots)
Um Personalkosten zu sparen, setzen Unternehmen gerne auf Lohnflexibilisierung und -differenzierung. Dass sie dabei unfair vorgehen, lassen sie sich allerdings nicht sagen: Zum Equal Pay Day weist das unternehmensnahe Wirtschaftsforschungsinstitut (IW) darauf hin, dass der 16-prozentige Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen "kein Symbol für Ungleichbehandlung" sei. Dass Frauen weniger verdienen, habe vielmehr ökonomische Gründe. Dazu zählt das IW "die Berufs- und Arbeitgeberwahl, eine Beschäftigung in Teilzeit und das Anforderungsniveau der Arbeitsplätze". Eine weitere Rolle spielen laut IW "Erwerbspausen, der Umfang des zeitlichen Engagements in der bisherigen Erwerbsbiografie" oder "Führungsverantwortung".
Diese Faktoren - und nicht etwa Ungleichbehandlung - sollen begründen, warum Frauen weniger verdienen. Da fragt man sich doch, warum Frauen eher als Männer schlecht bezahlte Berufe mit niedrigerem "Anforderungsniveau" wählen. Warum sie häufiger als Männer Teilzeit arbeiten und mehr "Erwerbspausen" einlegen. Warum sie ein geringeres "zeitliches Engagement" zeigen und ihnen deswegen auch seltener "Führungsverantwortung" übertragen wird.
Die Antwort ist simpel: Frauen übernehmen noch immer größere Teile der Haushalts- und Sorgearbeit. Das ist das eine Problem. Das darunterliegende Problem ist, dass die Sorge um andere Personen vom kapitalistischen Arbeitsmarkt mit Lohneinbußen bestraft wird, weil Unternehmen es nicht schätzen, wenn "private" Angelegenheiten wie die Pflege Angehöriger ihre Verfügung über die Arbeitskraft einschränkt.
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