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neues deutschland: Putins Großzügigkeit: Gnade vor Recht

Berlin (ots) - Zur »guten Nachricht« adelte nicht nur Bundesaußenminister Steinmeier die Freilassung des russischen Kremlkritikers und einstigen Ölmagnaten Chodorkowski durch Präsident Putin. Diese jähe Wendung war dem Mann im Moskauer Kreml trotz allen Drucks denn doch nicht zugetraut worden. Umso weniger, da Nachsicht und Milde als Tugenden gelten, die traditionell freiwillig in Anwendung kommen. Dies geschieht im Falle Chodorkowski bislang unwidersprochen dessen kranker Mutter wegen. Mütter aber genießen im größten Land der Erde fast mystische Verehrung - Mütterchen Wolga, Heimat, Russland ... Höher geht' nimmer. Souveräner, geschickter oder schlauer als Putin hätte sich niemand dieses Gefangenen und damit seines Problems entledigen können. Denn über den Wert des Rechts und seiner Anwendung sagt Gnade ebenso wenig aus wie über Schuld oder Unschuld. »Gnade vor Recht« passt außerdem wie kaum etwas anderes zu den anstehenden Festen. Die Befreiung nach dem alten christlich-ethischen Grundsatz ist dabei zwiefach. Der Begnadigte kommt zurück in die Freiheit, der Präsident heraus aus einer verzwickten Situation. Selbst seinen schärfsten Kritikern bleiben dafür nur Beifall und vielleicht noch eine Mahnung für die Zukunft. Putins Vorgehen könnte man sogar als Tauwetter deuten, wenn es nicht ausgerechnet vor den Winterspielen in Sotschi käme. Manche, die eigentlich doch dahin wollten, bestraft nun das Leben - weil sie zu früh absagten.

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