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22.05.2008 – 17:48

nd.DerTag / nd.DieWoche

Neues Deutschland: zu den steigenden Spritpreisen

Berlin (ots)

Für die einen sind die stark steigenden Spritpreise
ein soziales Problem: Mineralölkonzerne, Spekulanten und der Staat 
schröpfen die Autofahrer, was die Politik gefälligst verhindern soll.
Für andere ist die neue Ölkrise eine Botschaft der Natur: Das fossile
Energiezeitalter geht seinem Ende entgegen, weshalb die Politik die 
hohen Preise für eine klimafreundliche Energiewende nutzen muss.
 Beide Sichtweisen tragen mehr als nur ein Körnchen Wahrheit in sich.
Jede für sich ist dennoch falsch, denn die soziale und die Klimafrage
sind eng miteinander verzahnt. So sorgt erst die zunehmende soziale 
Spaltung der deutschen Gesellschaft dafür, dass die hiesigen 
Autokonzerne mit ihren teuren, hochgezüchteten Spritschluckern ein 
Milliardengeschäft machen. Umgekehrt zerstören die Folgen der 
Erderwärmung die Existenz vor allem von ganz Armen in den 
Entwicklungsländern.
 Auch eine langfristig tragbare Lösung muss daher beide Seiten der 
Krisenmedaille berücksichtigen. Die Wende im Verkehrsbereich mit 
einem ausgebauten öffentlichen Nahverkehr und Autos, die wenig oder 
gar kein Erdöl benötigen, kann nicht funktionieren, wenn die 
Unterschichten finanziell abgehängt werden. Und billige Spritpreise, 
die die automobile Gesellschaft künstlich verlängern, stellen für 
Bewohner kleiner Inseln, trockener Regionen und küstennaher Gebiete 
eine Bedrohung dar. Die Ölkrise, und das lehren uns die Rekordpreise 
wirklich, ist Ärgernis und Chance zugleich.

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Telefon: 030/29 78 17 21

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