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Westfalenpost: Zockerei auf der Insel
Kommentar von Christian Kerl über den Wahlausgang in Großbritannien

Hagen (ots) - Sie hat hoch gepokert - und verloren. Trotzdem will die britische Premierministerin Theresa May weiterregieren. Von stabilen Verhältnissen indes, die May in Aussicht stellt, kann keine Rede sein - der Insel stehen unruhige Zeiten bevor, auch Europa darf sich Sorgen machen. Mit der ohne Not ausgerufenen Neuwahl wollte May eine komfortable Mehrheit im Unterhaus einfahren, ein starkes Mandat für die anstehenden Brexit-Verhandlungen bekommen. Das Gegenteil hat sie erreicht. So haben sich die Konservativen zum zweiten Mal verkalkuliert: Erst vor einem Jahr hatte Mays Vorgänger Cameron aus innenpolitischem Kalkül von den Briten per Referendum Unterstützung für den Verbleib in der EU eintreiben wollen. Das Ergebnis ist bekannt. Noch ist nicht ausgemacht, dass sich die Tories auf die EU-Skeptiker der nordirischen DUP stützen können. So oder so ist eine Minderheitsregierung eine Wackelpartie - in Zeiten, in denen das tief gespaltene Land einen starken Premier bräuchte. Großbritannien droht eine Hängepartie, an deren Ende vielleicht wieder Neuwahlen stehen. Beunruhigende Aussichten auch für uns Kontinentaleuropäer. Denn May geht geschwächt in die Brexit-Verhandlungen. Ihr fehlt für den Kurs des harten Brexit eine solide Parlamentsbasis - bei jeder Kursänderung droht der Aufstand der Hardliner unter den Konservativen. Sehr wahrscheinlich werden die Brexit-Verhandlungen jetzt noch schwieriger.

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