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Westfalenpost: Torsten Berninghaus zu den Terror-Anschlägen von Paris

Hagen (ots) - Zwei Tage nach der schrecklichen Terrornacht von Paris steht Europa noch unter Schock. Allerorten herrscht große Traurigkeit. Die Franzosen haben den Ausnahmezustand ausgerufen, trotzdem versammeln sich Bürger zum Beispiel am geschichtsträchtigen Place de la République. Sie trauern. Aber sie wollen zugleich ihren Widerstand demonstrieren und zeigen, dass sich Frankreich nicht unterkriegen lässt. Gleichwohl herrscht Furcht vor dem, was noch kommen wird. Denn seit dem Angriff auf die Redaktionsräume von Charlie Hebdo vor zehn Monaten herrscht in Paris ohnehin die höchste Warnstufe. Wie will man das noch steigern?

Nous sommes unis - Wir sind vereint

Aber nicht nur in Paris weinen die Menschen um die Opfer der feigen Anschläge. Ganz Europa rückt nach diesem Angriff auf die Freiheit zusammen. "Nous sommes unis" (wir sind vereint) stand auf einer Leinwand an der französischen Botschaft. Und genau das ist es. Europa ist vereint. Und wer unsere französischen Freunde angreift, der greift uns an. Unsere Werte von Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit. Die perfide Choreographie des IS-Terrors hat das Ziel, die europäische Gesellschaftsordnung zu spalten. Das fühlen wir, wenn islamistische Terroristen wahllos in die Menge schießen oder Konzertbesucher niedermetzeln. Wir empfinden ohnmächtige Angst. Und in uns steigt der Gedanke auf, dass wir uns nicht schützen können. Der Terror kann überall zuschlagen. Auf jeden Fall fordert er uns heraus.

Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit

Die Taten von Paris machen deutlich, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist. Entschlossen müssen wir dafür sorgen, dass Terroristen nicht in der Lage sind, ihr teuflisches Werk zu verrichten. Dies aber ist keine Angelegenheit, die einzelne Staaten im Alleingang realisieren können. Es bedarf der Absprachen, des Austausches und konzertierter Aktionen. Entscheidend wird sein, dass Europa gemeinsam vorgeht. Das desolate Bild, das Europa in der Flüchtlingskrise abgibt, muss überwunden werden. Das wäre ein starkes Zeichen: Wir lassen uns nicht einschüchtern, nicht erpressen und auch nicht auseinanderdividieren.

Entschlossen, aber besonnen reagieren

Das Gift des blinden Hasses und der Vergeltung darf sich nicht breit machen in unserem Denken und Handeln. Wir sind es, die beweisen können, dass unsere Werte auch in Krisen wie dieser Bestand haben. Wir sind es aber auch, die deutlich machen können, dass wir im Kampf um unsere freie Gesellschaft keinen Millimeter zurückweichen werden. Das bedeutet Investitionen in Sicherheit, vor allem aber in mehr Prävention. Strategisch muss es darum gehen, dass weniger Fälle auf den Tischen der Sicherheitskräfte landen. Vor diesem Hintergrund müssen wir uns intensiv auseinandersetzen mit Parallelgesellschaften sowie der Mobilisierung von potenziellen Kämpfern und Unterstützern direkt in Europa. Es geht um nicht weniger als um unsere Werte von Freiheit, Respekt und das Recht des Einzelnen auf ein Leben in Sicherheit. Null Toleranz gilt daher für jene, die - wo auch immer - ihr radikales und menschenverachtendes Gedankengut verbreiten, um unsere Gesellschaft zu untergraben. Wir wollen klar machen, dass es in dieser Frage innerhalb Europas keine Gleichgültigkeit und keine zwei Meinungen geben kann. Nous sommes unis, wir sind vereint.

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