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Neue OZ: Kommentar zu Sibylle Lewitscharoff

Osnabrück (ots) - Ausdruck des Ungeistes

Ja, Schriftsteller sollen aussprechen, was dem Konsens zuwiderläuft. Ja, sie sollen aufrütteln, indem sie Widersprüche benennen, die sich hinter bequemen Sprachregelungen verbergen. Ja, sie sollen mahnen und warnen, erst recht dann, wenn sie wie Sibylle Lewitscharoff als Träger des Büchnerpreises besondere Autorität besitzen. Aber sie sollen nicht hetzen und verletzen, sie sollen nicht gegen die Menschenwürde sprechen, sie sollen vor allem aus der Sprache keinen Ausdruck des Ungeistes machen. Aber all das hat Sibylle Lewitscharoff getan. Ausgerechnet jene Schriftstellerin, die in ihrem letzten Roman "Blumenberg" einem Philosophen den Löwen der Weisheit erscheinen ließ. Die Dresdner Rede Lewitscharoffs wird als Skandal in die Geschichte eingehen. Wer Menschen als "Weißnichtwas" bezeichnet, der diffamiert und verletzt, der ebnet der Gewalt die Bahn. Gerade in Deutschland muss das jedem klar sein, gerade einer Autorin auf dem Rednerpult. Immerhin erfolgte der Protest unmittelbar. Wenigstens das.

Stefan Lüddemann

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